preußischblau

Das Potsdamer Weblog preußischblau: Aktuelles aus Potsdam und Notizen einer Stadtführerin.


 

2. Dezember 2009

Potsdamer Geschichte aus der Sicht der Stasi

Stasiland Brandenburg - dieses Wort geistert herum. Warum das so ist, weiß jeder von Ihnen aus den Medienberichten über die rot-rote Koalition in Brandenburg und die Enthüllungen über ehemalige Stasi-Spitzel in der Linkspartei. So weit, so schlecht.

Mir fiel dabei dieser Tage ein, daß ich hier einmal einen Literaturtipp geben könnte, der für Potsdam-Besucher, die sich für das Thema interessieren, nützlich wäre:

Mit tschekistischem Gruß - Berichte der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Potsdam im Zeitraum Juli 1988 bis November 1989. Hrsg.: Reinhard Meinel/Thomas Wernicke, Verlag Edition Babelturm, Potsdam 1990.

In dieser Publikation, die meines Wissens nach nur noch antiquarisch (auch online!) zu erhalten ist, finden sich also keine Bespitzelungsberichte über einzelne Personen, sondern Berichte bzw. "Vorgangsakten" der Stasi über "Vorkommnisse" in Potsdam aus der letzten Zeit der DDR. Unter anderem z.B. auch ein Bericht über das erste Pfingstbergfest im Juni 1989, das u.a. auch von Matthias Platzeck, dem heutigen Ministerpräsidenten Brandenburgs mit initiiert und vorbereitet wurde.

Man lernt beim Lesen viel über die Sichtweise der Staatssicherheit, was sie für gefährlich hielt, wie stark diese Organisation überall präsent war und mit welch zum Teil peinlicher Akribie z.B. die Kleidung der Protagonisten protokolliert wurde. Und ja, es wird einem öfter übel dabei...

In der Danksagung der Herausgeber am Anfang des Buches finden Sie auch meinen Namen. Ich habe nämlich im Frühjahr 1990 die Texterfassung dieser Stasi-Vorgangsakten erledigt. Ich lief jeden Tag nach der Arbeit und an zwei Wochenenden zu dem kleinen Verlag, und schrieb die Stasi-Akten ab. Mein Honorar war zwar eher symbolisch, aber das störte mich nicht, ich wollte helfen, dieses Buch herauszubringen.

Was mich allerdings sehr bei der Arbeit störte, war dieser Wechsel aus Übelkeit und Wut, dem ich beim Schreiben ständig ausgesetzt war. Bei einigen der in den Akten beschriebenen "Vorgänge" wie bei dem erwähnten Pfingstbergfest war ich selbst dabei; und hier fand sich nun in übelstem Stasi-Deutsch jedes kleine Detail wieder.

Ich kämpfte mit diesen Texten und mit meinen Gefühlen, und weil die Mitarbeiter des Hauses das merkten, wurde ich von ihnen so liebevoll wie möglich betreut: Ich bekam so viel Kaffee wie nötig war, um meine stundenlange Konzentration am Leben zu halten, es gab Kekse und Schmalzbrote und Schokolade und jede Menge aufmunternde Worte. Manchmal mußte ich den Raum verlassen und platzte mit meiner Wut in gerade laufende Konferenzen hinein. Da aber alle wußten, wie es mir ging mit meiner Arbeit, ließen sie sofort alles stehen und liegen, um mich zu trösten. Wir fanden sogar zu einer Abmachung, daß ich jederzeit von jedem Anwesenden eine sofortige Umarmung einfordern konnte...

Lesen Sie dieses Buch, und Sie werden verstehen, warum es auch im Stasiland Brandenburg Leute gibt, denen es heute noch schlecht wird, wenn wieder einmal ein gewählter Volksvertreter als früherer Stasi-Spitzel enttarnt wird. Und ja: Ich bin nicht nachtragend, aber ich vergesse nichts.

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15. April 2009

Spuren beseitigen nach 64 Jahren

Gestern dachte ich, wie jedes Jahr, an den großen Bombenangriff auf Potsdam am 14. April 1945. An die Zerstörungen dieser zwanzig Minuten und an die Zerstörungen, die darauf noch folgten, als ab Ende April die Sowjetarmee Potsdam unter Granatbeschuß nahm. Potsdam leistete immer noch Widerstand, weil es von den Nazis zur Festung erklärt worden war und damit gezwungen, bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Manche Historiker meinen, diese letzten Apriltage hätten mehr Zerstörung zur Folge gehabt als der britische Bombenangriff Mitte April 1945.

Heute, auf meinem Weg in die Stadt, bin ich an einem Haus in meiner Straße vorbeigeradelt. Dieses Haus zeigte im ansonsten erstaunlich gut erhaltenen Putz immer noch Einschußlöcher aus der Zeit der letzten Tage des Krieges. Diese Spuren werden nun getilgt: Auf einem Gerüst standen Bauarbeiter und schmierten die Löcher zu, die meisten waren schon verfüllt, noch diese Woche wird wohl die Fassade in neuer Farbe erstrahlen...

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11. November 2008

"Meine Vorfahren haben sich nicht so frei bewegen können wie ich."

Von meinen Gästen werde ich mitunter gefragt, wie es denn das Haus Hohenzollern mit der demokratischen Staatsform Deutschlands halte? Die Antwort darauf ist einfach - aber Sie können ja selbst einmal nachlesen: In der Zeitschrift Cicero gibt es ein aktuelles Interview mit dem Chef des Hauses, Georg Friedrich Prinz von Preußen.

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28. August 2008

Potsdam in alten Filmen

"Potsdam wiederentdeckt - Historische Filmschätze von 1910 bis 1959" heißt die DVD, die es jetzt endlich zu kaufen gibt! Wer alte Fotos von Potsdam kennt, weiß, was Potsdam durch die Zerstörungen im 20. Jahrhundert an wunderbarer Bausubstanz verloren hat. Und wenn man sich nun die alten Filmbilder der Stadt ansieht, möchte man am liebsten sofort einem der Vereine beitreten, die sich für die Wiedergewinnung dieser Schönheit einsetzen...

Mehr Informationen über die DVD, darunter auch einen Trailer, gibt es auf der Website Filmschätze Potsdam. Dort kann man die DVD, über deren Entstehung Günther Jauch den Schirm gehalten hat, auch direkt bestellen. Denken Sie daran: Weihnachten kommt immer so schnell!

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24. Juni 2008

Aufruf an alle Mitglieder der Familie Tummeley und Nachfahren

Bitte melden Sie sich bei mir! Warum? Weil durch meinen Beitrag vom 4. März 2006 auf dieser Website (etwas nach unten scrollen) sich schon einige Tummeleys bzw. Menschen, die einen Vorfahren mit diesem Namen haben, bei mir gemeldet haben. Durch diese Kontakte ist es jetzt schon zu einer Vernetzung von Familienmitgliedern gekommen, die sich noch nicht kannten und für ihre Geschichte und Herkunft interessieren; darüberhinaus melden sich auch Leute bei mir, die sich aus wissenschaftlichen und historischen Gründen für die Familie Tummeley interessieren.

Ein Mann, der den Namen Tummeley noch trägt und sehr aktiv Familienforschung betreibt, hat sich bereiterklärt, die zentrale Anlaufstelle für die Ahnenforschung der Familie zu sein und mit jedem sein profundes Wissen und die hochspannenden Erkenntnisse zu teilen, die er besitzt. Alle eMails, die bei mir eingehen, werde ich an ihn weiterleiten - aus Diskretionsgründen jedoch seine eMail-Adresse hier nicht direkt nennen.

Darüber hinaus habe ich mein durch die Kontakte mit der Familie gewonnenes Wissen dem Förderverein des Potsdam-Museums mitgeteilt (dessen Mitglied ich mittlerweile auch geworden bin). Das Erstaunen und die Freude über so viel unverhofftes neues Wissen über die Familie Tummeley, der eine wichtige Rolle in der Potsdamer Stadtgeschichte zukommt, hat zu der Idee einer Ausstellung über die Tummeleys in Potsdam geführt, die wir in der kommenden Zeit weiter verfolgen werden. Diesbezüglich wären der Förderverein, das Potsdam-Museum und natürlich auch ich sehr dankbar, wenn sich weitere Familienmitglieder bei mir melden würden und vielleicht sogar über alte Fotos, Bilder, Dokumente u.ä. verfügen, die Teil dieser Ausstellung werden könnten...

Also, sehr geehrte Tummeleys und Nachfahren da draußen: Melden Sie sich, schreiben Sie eine eMail an

kontakt@visit-potsdam.de

Und stellen Sie sich vor, wie spannend die Erkenntnisse, die wir so zusammenführen, für die nächste Generation sein werden!

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14. April 2008

Der Engel für den Nordwesten

Heute wurde einer der Engel der Nikolaikirche wieder auf seinen Platz, einen der vier Ecktürme gesetzt. Die Gemeinde hatte sich bewußt für das heutige Datum, den 63. Jahrestag des Bombenangriffes auf Potsdam entschieden, der die Stadt kurz vor Kriegsende in großen Teilen zerstörte.

Der Engel auf seinem Turm blickt in Richtung Nordwesten. Und damit genau in die Richtung, aus der damals die Flugzeuge kamen. Es gibt schon seltsame Zufälle...

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5. November 2007

Die Potsdamer Bastion

Wiederaufbauprojekte gibt es in Potsdam viele, und Potsdam hat auch viel Bedarf daran. Etwas abseits der üblichen touristischen Routen liegt die Bastion:

2005 gründete sich ein Verein, der die Geschichte der Siedlung am Schillerplatz und der Bastion bewahren will. Am Ende der Schillerstraße wurde 1938 ein rundes Bauwerk mit Freitreppen und Aussichtsplattform gebaut. Im Innern verbarg sich ein Pumpwerk, welches die Grünflächen der Siedlung mit frischem Havelwasser versorgte. Die Anwohner nannten dieses Bauwerk "Bastion" in Anlehnung an die Bauweise, denn es glich einer kleinen Befestigungsanlage.

Da die Bastion im Laufe der Zeit verfiel und in Vergessenheit geriet, soll sie nun aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden. Der Verein hofft, dass die Bastion u.a. als Rastplatz für Radwanderer genutzt wird. Eine touristische Aufwertung der Gegend - da viele Radfahrer auf dem Europaradweg R1, die in Richtung Templiner See, Caputh, Werder oder Geltow unterwegs sind - wäre wünschenswert. Desweiteren könnte die Bastion 2010 wieder als Ergänzung der Siedlung um den Schillerplatz und als erholsamer Ort zum Verweilen dienen.

Zur Zeit sind beim "Förderverein zum Wiederaufbau der Bastion am Schillerplatz e. V." Ein-Euro-Jobber damit beschäftigt, die Bastion Stein für Stein wieder auszugraben und in Archiven und Bibliotheken die Historie der Siedlung und des kleinen Bauwerks zu erforschen. Sie sprechen mit Anwohnern und Zeitzeugen und sorgen dafür, daß nichts in Vergessenheit gerät. Der Verein finanziert sich ausschließlich über Spenden, den Spendenkatalog kann man über die Geschäftsstelle der WBG Potsdam-West, Schillerplatz 20, 14471 Potsdam, Telefon: 0331-9716990 erhalten.


(Der Text wurde vom Verein zur Verfügung gestellt und von mir gekürzt und bearbeitet.)

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14. Juni 2007

Die meditierende Bauverwaltung

"Damit das anders wird, soll nun im Rathaus eine unabhängige Denkmalschutz-Schlichtungsstelle eingerichtet werden, so dass Bauherren gegen überzogene Auflagen intervenieren können. In besonders strittigen Fällen solle es ein Meditationsverfahren geben, was bundesweit ein Novum wäre." Quelle

Ja, in der Tat - das wäre neu!

Gemeint hat die PNN natürlich nicht Meditation sondern Mediation. Das nenne ich aber mal einen charmanten Fehler! Doch vielleicht würde es ja tatsächlich helfen, die Potsdamer Bauverwaltung von Zeit zu Zeit darüber meditieren zu lassen, was ihre Aufgabe ist: Der Stadt und den Bürgern zu dienen.

Und wenn es an Führung mangelt, dann könnte man sich ja immer noch mit historischen Maßstäben behelfen, an denen in Potsdam, der alten Residenzstadt Preußens, nun wahrlich kein Mangel herrscht. Oder glaubt da draußen jemand, preußische Beamte hätten Meditation oder Mediation gebraucht, um sich über ihre Aufgabe im Klaren zu sein? Na?

Und auch der Oberbürgermeister hätte für's Aufräumen der Bauverwaltung ein leuchtendes Vorbild, wenn er denn wollte: Es war in Potsdam üblich, daß schlampige Arbeit mit einem Aufenthalt in der Gefängnisfestung Spandau beantwortet wurde - besonders unter Friedrich II. ein gern eingesetztes Mittel.

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3. April 2007

Potsdam, liederlich

"Zu seiner Zeit herrschte die größte Liederlichkeit. Alles besoff sich in Champagner, fraß die größten Leckereien, frönte allen Lüsten. Ganz Potsdam war ein Bordell. Frauen und Mädchen bot man um die Wette an, und die größten Adligen waren die eifrigsten. Die Leute, die das wüste Leben mitgemacht haben, sind alle früh gestorben, der König an der Spitze."

Gottfried von Schadow über die Regierungszeit von Friedrich Wilhelm II. Es ist ein verbreitetes Vorurteil, die Preußen wären immer und ausschließlich disziplinierte Besenstiele gewesen. Aber Vorurteile über Preußen gibt es ja jede Menge...

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20. Februar 2007

Ruinenpflege

Wenn man vom Ehrenhof des Schlosses Sanssouci in Richtung Norden zum Ruinenberg blickt, sieht man im Moment Teile der Ruinen nur eingerüstet. Die 1748 angelegte Anlage mit künstlichen Ruinen zu erklären, ist übrigens immer eine Herausforderung. Künstliche Ruinen? Wozu?

Europäisches Publikum tut sich da nicht so schwer, aber Amerikaner zum Beispiel haben da große Verständnisschwierigkeiten. Und wenn man dann noch erklärt, daß dort oben gerade Sanierungsarbeiten an den Ruinen laufen, hat man sie ganz verloren. Ruinen sanieren? Wozu?

Die Ruinenpflege ist keine Erfindung unserer Zeit, das hat man auch schon vor hundert Jahren gemacht, wie auf diesem Foto der Schlösserstiftung zu sehen ist.

Das Foto gehört zu einer ganzen Reihe, genannt "Bild des Monats", die die Stiftung regelmäßig auf ihrer Website veröffentlicht (am rechten Seitenrand etwas nach unten scrollen!). Eine Fundgrube!

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