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Das Potsdamer Weblog preußischblau: Aktuelles aus Potsdam und Notizen einer Stadtführerin.
23. Mai 2009
Führen und Singen
Wenn man einen Chor auseinanderreißt, kann er nicht mehr singen. Diesen vielstimmigen Chor aus Oberbayern mußte ich aber auseinanderreißen, besser gesagt teilen, weil meine Stimme zwar recht groß ist, ich meine Gäste aber trotzdem nicht so gerne anschreie...
Also führten meine Kollegin und ich den Chor in zwei Gruppen durch die Potsdamer Innenstadt und zum Schluß an der katholischen Kirche St. Peter und Paul wieder zusammen. Und da der Chor auf Marienlieder spezialisiert ist und die Kirche offen war, kamen wir und andere Besucher der Kirche am Ende der Stadtführung dann noch in den Hörgenuß einer Kostprobe aus dem Repertoire.
Ein Lied meiner Gäste am Ende einer Stadtführung - daran könnte ich mich gewöhnen!
Labels: Gästegeschichten
20. Mai 2009
Das tapfere Zimbelkraut
Stadtführer sind nicht die einzigen, die mit offenen Augen durch ihre Stadt gehen - heute hatte ich Post von einem befreundeten Gärtner, der auch gleich noch ein Foto mitschickte:
"Ein ganz normales Mauerblümchen mit schöner Geschichte: 34 Jahre lang war der Stadtkanal meterdick zugeschüttet. 1965 verfüllt, 1999 bis 2001 wurde dann wieder ein Stück freigelegt und saniert. Kurz nach dem Aufbuddeln waren alle alten Fugen voller Zimbelkraut. Die Samen müssen zu tausenden tief verdeckt gelegen haben, keimten und wuchsen explosionsartig zu großen blühenden Polstern heran. Es war ein gigantischer Anblick in dem mürben, muffigen Mauerwerk. Ein Bekannter meinte: 'Ja, ja. Die ölhaltigen Samen...'
Die anschließende Sanierung haben die Pflanzen nicht überstanden. Jetzt, neun Jahre später, war das Zimbelkraut wieder da. Ein Prachtexemplar. Ganz allein. Reichlich blühend und festgekrallt in allen Fugen, die die Triebe übersponnen hatten."
Labels: Stadtleben
15. Mai 2009
"Ja, ich bin Stadtführerin!"
Gestern war es wieder einmal soweit: Ich stehe vor dem Bahnhof und warte auf meine Gruppe. Einige Schritte entfernt sehe ich zwei Männer in Anzügen und mit Aktentaschen, der eine hat einen Zettel in der Hand und schaut sich suchend um. Er spricht einen jungen Mann an, der kurz darauf bedauernd den Kopf schüttelt. Der Mann mit dem Zettel guckt wieder um sich, dreht sich dann um die eigene Achse, sucht. Ich warte darauf, daß sein Blick mich trifft und lächle schon einmal vorsorglich.
Nein nein, keine Sorge, das ist hier keine Flirtschule! Aber es geht um den richtigen Moment: Sein Blick trifft meinen, er lächelt ebenfalls und setzt sich in Bewegung auf mich zu. Ich sage: "Kann ich Ihnen helfen?" Jetzt ist er bei mir. "Ja," sagt er, "wenn Sie sich hier auskennen?!" Das ist er, der Moment, den ich liebe, ich antworte: "Ja, ich kenne mich hier aus, ich bin Stadtführerin."
Jetzt strahlt er, er ist ganz begeistert, dreht sich zu seinem Kollegen um und ruft: "Uli, komm mal her, stell Dir vor, ich habe eine Stadtführerin gefunden!" Uli kommt und guckt noch ganz ungläubig: "Was für ein Zufall..." Der Rest ist rasch erzählt, die richtige Straßenbahn zum Kongreßhotel schnell gefunden und gezeigt. Die Herren danken, ich wünsche noch einen angenehmen Aufenthalt.
Keine große Sache, oder? Oder doch?
Labels: Gästegeschichten
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