preußischblau

Das Potsdamer Weblog preußischblau: Aktuelles aus Potsdam und Notizen einer Stadtführerin.


 

18. Februar 2009

Trüffel aus Düsseldorf

Wie man an die köstlichen Trüffel der Confiserie Heinemann aus Düsseldorf kommt? Ganz einfach: Man steigt zur vereinbarten Zeit den Brauhausberg in Potsdam zum Brandenburger Landtag hinauf, trifft dort auf eine Gruppe sehr netter Menschen, die beim Nordrhein-Westfälischen Landtag arbeiten, heute zum Arbeitsbesuch hier sind und sich nun mit ein paar Sehenswürdigkeiten der Stadt vertraut machen möchten. Dann fährt man als erstes zum Alten Markt, erläutert dort ausführlich das Neubauprojekt des Landtages, vergißt nicht, den edlen 20-Mio-Euro-Spender zu erwähnen, der dafür die historische Fassade des Potsdamer Stadtschlosses ermöglicht hat; zeigt die Schiffbauergasse, Glienicker Brücke, beantwortet Fragen zu Potsdamer Prominenten, und weiter geht es durch die frühere KGB-Stadt zum Cecilienhof; dann braucht die interessierteste Gruppe eine Pause in der Meierei am Jungfernsee, während der die Zeit genutzt wird, um über die blühenden Landschaften (Ost) und die Strukturprobleme (West) zu reden; danach weiter im Rundkurs durch das Preußische Arkadien, zum guten Schluß noch über die februarmatschige Terrasse von Schloß Sanssouci zum Grab des Königs geführt, wo wie immer die Kartoffeln liegen, alle Fragen beantworten, Geschichten erzählen, die Zeit im Auge behalten, damit die Gruppe ihren Flug nach Hause pünktlich erwischt und am Museumsshop darauf hinweisen, daß man eventuell den Lieben zu Hause etwas mitbringen könnte...

Nach drei Stunden und all dem bekommt man dann die Trüffel von Heinemann als Dankeschön geschenkt, natürlich in einer Sonderverpackung des Landtages Nordrhein-Westfalen. Mit schönen Grüßen. Ganz einfach. Oder man bestellt sie im Internet. Aber das ist ja irgendwie langweilig.

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4. Februar 2009

Kein Ruhmesblatt, aber am authentischen Ort

Da ich demnächst eine Gruppe junger Leute in die Potsdamer Ausstellung zum 20. Juli 1944 begleiten soll, habe ich mich heute selbst noch einmal umgesehen. Um es gleich vorweg einzuräumen: Diese Ausstellung ist kein Ruhmesblatt für die Stadt und das Potsdam-Museum, zu dem sie nämlich gehört.

Immerhin befindet sich die Ausstellung an einem authentischen Ort des Widerstands, in der früheren Kaserne des Infanterieregiments Nr. 9 in der heute nach Henning von Tresckow benannten Straße (früher Priesterstraße). Das Gebäude, in dem heute das brandenburgische Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung untergebracht ist, wurde auch sehr schön saniert, und der alte Leitspruch des Regimentes "Semper talis" schmückt den gläsernen Eingang. Aber die Ausstellung selbst befindet sich am Ende eines langen Ganges im Sockelgeschoß und ist - na, sagen wir es offen - ärmlich. In kleinen Räumen gibt es ein paar Schautafeln mit viel Text; und die Tafel mit der Auflistung der Häuser in Potsdam, in denen die Widerständler lebten, ist sehr unübersichtlich, der danebenhängende Stadtplan, in dem die Orte eingezeichnet sind, ist für Ortsfremde auch nicht gerade hilfreich. Denken Sie sich an dieser Stelle einen tiefen Seufzer der Stadtführerin, der das ganze auch peinlich ist, denn schließlich ist sie ja Mitglied im Förderverein des Potsdam-Museums...

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Offiziell ist diese Ausstellung, die keinen Eintritt kostet, nämlich nur zu den Bürozeiten des Ministeriums geöffnet, also montags bis freitags von etwa acht bis achtzehn Uhr. Aber der besonders nette Wachmann an der Pforte (Sie müssen übrigens klingeln, um dann aber sofort eingelassen zu werden!) erzählte mir, daß er auch am Wochenende die Touristen, die den Ausstellungsort gefunden habe, ins Haus einläßt. Wie das? Na, sagt er, wir sind doch sowieso immer hier, das Objekt wird rund um die Uhr bewacht von uns, da lasse ich doch die Leute nicht draußen vor der Tür stehen, bloß weil Sonntag ist!

Eine weitere nette Begegnung hatte ich auch noch: Als ich das Gebäude betrat, wechselte gerade der Minister ein paar Worte mit dem Wachmann. Ach, guten Tag, Herr Minister, grüßte ich, denn das gehört sich so, wenn man den Hausherrn antrifft. Er grüßte sehr freundlich zurück und ich fragte: Ja, begrüßen Sie denn alle ihre Gäste persönlich an der Pforte? Leider ließe das sein Terminplan nicht zu, entgegnete er lachend und entschwand. Wie schon erwähnt: Semper talis steht über der Tür...

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