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Das Potsdamer Weblog preußischblau: Aktuelles aus Potsdam und Notizen einer Stadtführerin.
30. Oktober 2005
Dresden hat es besser
Die glücklichen Dresdner haben ihre Frauenkirche wieder - und Potsdamer, die die Garnisonkirche hier in unserer Stadt wiederaufbauen wollen, gucken anerkennend und auch ein bißchen neidvoll in die Sachsenresidenz.
Ich wünschte, es wäre anders, aber im Gegensatz zur Frauenkirche spaltet das Wiederaufbauprojekt der Garnisonkirche die Stadt Potsdam - also ihre Bewohner - in bisher sehr unversöhnliche Lager. Das hat Gründe und auch nicht nur mit der Garnisonkirche zu tun, und darüber könnte man Bücher schreiben... Ich bin jedenfalls immer neidisch, wenn ich sehe, wie sehr die Dresdner ihre Stadt lieben, wie stolz sie sind, Bürger von Elbflorenz zu sein. Städte wollen geliebt werden.
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20. Oktober 2005
Die Potsdamerin und die Eingeschmeckte
Das ist doch auch nur 'ne Eingeschmeckte. Sagt die alte Dame verächtlich. Über die andere alte Dame. Was für ein Wort, hab ich noch nie gehört, was bedeutet das, frage ich sie, aber eigentlich weiß ich, was es bedeutet.
Sie ist keine Geborene, junge Frau! Sie ist keine geborene Potsdamerin! Ich wußte es doch. Ist ja nicht schlimm, ich meine, das muß ja nicht, aber dann sollen sie nicht immer so naseweis sein und mir erzählen, wie's früher hier war. Aber so sind sie, die Eingeschmeckten...
Sie meint nicht mich, das ist klar, aber jetzt bin ich mal mutig und sag ihr: Ich bin auch nicht hier geboren. Ach, sagt sie, guckt mich an und macht eine mild-wegwerfende Handbewegung, bei ihnen ist das was anderes, sie beschäftigen sich ja anständig mit der Stadtgeschichte. Und sie lassen sich auch mal was sagen. Ich mein', woher sollen sie auch wissen, daß wir als Kinder hier Kreisel gespielt haben, hinter der Kaserne. Sowas steht ja nicht in Büchern!
Sie reckt sich ein bißchen in die Höhe an ihrer Gehhilfe, guckt mich neugierig an, und ich versuche, sie mir vorzustellen, als Kind, Tochter eines Gardehusaren, mit dem Kreisel über das Pflaster hüpfend, hier, wo heute im Sommer auch schon mal Heavy-Metal-Open-Air-Konzerte mit zweitausend Leuten veranstaltet werden. Sie guckt mich immer noch herausfordernd an, also frag ich sie, ob ich sie fragen darf, wie alt sie ist.
Achtundachtzig! Das kommt ohne Zögern, sie ist so stolz. Dann tätschelt sie meine Hand: Machen sie sich mal keine Sorgen, so Eingeschmeckte wie sie gelten als Geborene, spätestens, wenn sie so alt sind wie ich!
Labels: Gästegeschichten
3. Oktober 2005
Einheit und Würste
Himmel und Menschen waren das heute in Potsdam, anders gesagt, die Innenstadt hackedicht, was man für einige Besucher des bayrischen Bierzeltes durchaus auch wörtlich nehmen kann, wenn man das Wort kennt. Um die Ecke von Bayern auf der "Ländermeile" die Vertretung Thüringens. Die Schlange am Grill mit den Thüringer Bratwürsten ist tatsächlich länger als die für die bajuwarischen Weißwürste, die - sind wir mal ehrlich - hinsichtlich Aussehen und Haltungsnoten nun wahrlich nicht mithalten können. Aber ja, ich weiß, man soll Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, ist ja gut...
Ein Blick auf den Grill von Thüringen zeigt: Hier gibt es tatsächlich echte, nämlich ungebrühte Thüringer Bratwürste. Den Fleischer, der hier heute den Grillmeister gibt, kenn' ich, seit ich Laufen kann. Wir tauschen ein wissendes Grinsen über dem Grillgut. Ja, natürlich weiß er, was ich auch weiß, er weiß es ja besser als ich, wie soll ich es sagen, also: Ungebrühte dürfen außerhalb Thüringens gar nicht verkauft werden. Deswegen muß man auch nach Thüringen fahren, um wirklich echte...
Das schert hier heute kein -
Richtig. Das hier ist schließlich die Landesvertretung des Freistaates Thüringen auf dem Fest der Deutschen Einheit. Es herrscht diplomatische Immunität gegenüber EU-Verordnungen. Mit Born-Senf natürlich. Und niemals Ketschup!
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