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Das Potsdamer Weblog preußischblau: Aktuelles aus Potsdam und Notizen einer Stadtführerin.
30. November 2004
Dorthin, wo der Pfeffer fließt
Sie sind Berliner, Sie wollen nur noch raus aus der Stadt, weg aus der klingelnden-bimmelnden Weihnachtshölle der Großstadt, aber ihre Kinder wollen Weihnachtsmarkt, unbedingt, und sie glauben, daß Kühe aus lila Schokolade sind und weigern sich seit kurzem, Fleisch zu essen, weil der Babysitter sie neulich zu lange vor dem Fernseher hat sitzen lassen, und beim Zappen kam dann doch gerade ein Beitrag über Massentierhaltung, und nun haben die lieben Kleinen dem carnivorischen Dasein abgeschworen, also müssen Sie nun schon seit Wochen Nudeln mit Soße essen, weil Sie das für vegetarische Ernährung halten; Sie wissen nicht, ob das leichte Pfeifen in Ihrem linken Ohr eine Folge des musikalischen Weihnachtsterrors, des missionarischen Kindergeschreis oder der Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen ist, Sie brauchen also Ruhe, einen alternativen Braten für's Fest, Weihnachtsgeschenke, die nicht aus Klickibunti-Plastikscheiß sind, nach Potsdam wollen Sie nicht, weil Sie da demnächst sowieso hinziehen und - Sie brauchen frische Luft.
Fahren Sie dorthin, in die Nuthe-Nieplitz-Niederung, in den Ort, dessen Namen wie ein Versprechen klingt, zeigen Sie ihren Kindern glückliche Schweine und nicht-lila Rinder (und denken Sie an den Braten!), und wenn es nicht ohne Weihnachtsmarkt geht, dann tun Sie das am dritten Adventswochenende. Fahren Sie nach Gottsdorf am Pfefferfließ.
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29. November 2004
Kauft Kunst!
Das Fernsehen sagt, der Handel sei zufrieden mit dem Auftakt des Weihnachtsgeschäftes, die Leute würden mehr Geld ausgeben als im letzten Jahr. Und wenn es nun nicht der dritte Fernseher sein muß, könnte es doch auch mal Kunst sein, na? Und sozusagen als Einstiegsdroge gibt es alle Jahre wieder die "Kleinen Formate" in der Galerie Sperl im Holländischen Viertel vom 4. bis 23. Dezember. Und im Fenster dann wieder eine Weihnachtsmannfigur, die ein Schild hochhält: Kauft Kunst!
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25. November 2004
Im Advent nach Polen, Böhmen und Holland
Auch in diesem Jahr gibt es in Potsdam wieder besondere Weihnachtsmärkte, die auf jeden Fall mehr bieten als die Budenaufreihung auf der Brandenburger Straße, die vielen Potsdamern eher auf die Nerven geht:
Am ersten Adventswochenende beginnt das Besondere mit dem Böhmischen Weihnachtsmarkt auf dem Weberplatz in Babelsberg, weiter geht es dann am Wochenende darauf mit dem "Sternenmarkt" auf dem Hof des Kutschstalls am Neuen Markt - ein polnischer Weihnachtsmarkt, veranstaltet vom Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte und dem Kulturinstitut Zamek in Poznan. Und am dritten Adventswochenende kommt wieder der holländische Sinterklaas, begleitet von seinen "schwarzen Pieten" ins Holländische Viertel zum Sinterklaas-Markt. Und mehr Weihnachtsmärkte braucht kein Mensch...
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15. November 2004
Regenbogenbelohnung
Na, ich sags doch, man muß sich nur raustrauen, und schon wird man belohnt. In diesem Fall die Teilnehmer der Führung über das Areal Schiffbauergasse mit einem spektakulären Regenbogen, der sich zeitweilig geschlossen von der Berliner Vorstadt bis hinüber zum Babelsberger Park spannte.
Aufgenommen und mir zur Verfügung gestellt hat die Fotos Peter K. Martin: "Noch einmal herzlichen Dank für die interessante und durch kleine Geschichten aufgelockerte Führung am Samstag. Obwohl der Wettergott mit uns kein Einsehen hatte, hat er doch für eine recht eigene Stimmung gesorgt." Ich sags ja... Dankeschön!
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9. November 2004
Mit einem Tag Verspätung
Am 9. November 1989 hat sich die Mauer geöffnet - die Glienicker Brücke aber, für die Potsdamer ein ebenso wichtiges Symbol wie für die Berliner ihr Brandenburger Tor, öffnete sich erst einen Tag später. Deswegen wird auch erst morgen, am 10. November um 11.00 Uhr an der "Potsdamer Siegessäule", der Nike, der Maueropfer gedacht.
Fünfzehn Jahre ist es schon her, daß ich an diesem Abend um achtzehn Uhr das erste Mal diese Brücke benutzte - tatsächlich, es ist kaum zu glauben...
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7. November 2004
Novemberschöne Schiffbauergasse
Oh, ist das kalt! Auweia, es regnet! Ach, es ist so trüb und neblig! Ja, stimmt alles, aber hey! - das ist der November, das ist sein Job. Nehmen Sie das Wetter nicht so persönlich, holen Sie den Schal raus, den Sie zum letzten Weihnachtsfest geschenkt bekommen haben, ziehen Sie festes Schuhwerk an, bringen Sie Ihre Neugier mit und kommen Sie nächsten Sonnabend in die Schiffbauergasse.
Ich verspreche, Sie werden sich gut unterhalten fühlen und jede Menge Interessantes erfahren. Außerdem brauche ich Sie dringend: Wir sind nämlich immer noch auf der Suche nach einem griffigen Wort für das neue Haus des Potsdamer Theaters. Wer wir ist? Na, die Potsdamer! Na also wirklich, trinken Sie einen starken Kaffee mit etwas Kakao, viel Sahne und Zimt - das hält Sie ab von Winterschlaf und Begriffsstutzigkeit...
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6. November 2004
Öffnungszeiten geändert
Am 7. Mai 2004 wurde die Ausstellung "Fundstücke und Visionen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Schiffbauergasse" eröffnet und hatte seitdem 3.500 Besucher.
Die Öffnungszeiten haben sich jetzt geändert: Der blaue Ausstellungscontainer neben dem Waschhaus ist nunmehr Freitag bis Sonntag von 12.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.
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5. November 2004
Theaterflügel
Es war später Nachmittag und schon ziemlich dunkel geworden, als am letzten Mittwoch die Schalung vom oberen der drei Dächer des Potsdamer Theaterneubaus abgenommen wurde. Ich war gerade mit den Waschhäuslern auf dem Areal unterwegs, wir blieben auch die einzigen Schaulustigen, und uns wurde etwas geboten. Kaum zu glauben, daß dieses Dach sich selbst so trägt, es wirkt wie ein großer Flügel und - es ist so dünn!

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3. November 2004
Cecilienhof-Berichterstattung
Mit dem Fahrrad ist es nicht weit, also bin ich heute am Mittag zum Cecilienhof geradelt: Und gerade, als der Konvoi der Queen am Schloß ankam, mußte ich in die Sicherheitszeltschleuse:
Und nein, die Aufsicht über die Sicherheit war an diesem Tag nicht in die Hände eines privaten Fernsehsenders gefallen - die räumliche Nähe war Zufall. Durch das Prozedere - doch, ja, sehr nette Polizisten! - hatte ich ihre Ankunft verpaßt. Warten. Die Presse wartet:
Und während der Prinz die Minitaturfregatte besichtigt,
vertreiben wir und die alten Preußen uns ein bißchen die Zeit, einmal hoch, einmal runter:
Ja, es stimmt, die "Langen Kerls" passen hierher nicht wirklich. Sie waren die Elite- und Abschrecktruppe des Soldatenkönigs (das war der Vater Friedrichs II.), tiefes 18. Jahrhundert. Das Schloß Cecilienhof ist von 1913 bis 1917 erbaut. Da steht zusammen, was nicht zusammengehört - es ist ein Schwieriges, aber Buntes mit der Tradition... Dann kommt der Prinz mit langen Schritten angeeilt, pünktlich zum Mittagessen um ein Uhr, und ja, er hat ein Bier getrunken in der Meierei (das Fernsehen hat's gezeigt am Abend), aber das sieht man ihm nicht an, nein. Kleiner und schmaler ist er, als man denkt:
Dann fährt das Auto vor, und ein RBB-Team kommt von hinten und fragt bei laufender Kamera: Haben Sie die Queen gesehen? Nein, sag ich. Oh, sagt die Journalistin, dann kann ich Sie ja gar nicht fragen, ob Sie enttäuscht waren. Ähem: Nein, sag ich wieder. Dann fährt das Auto der Königin vor:
Und dann mache ich einer anderen Frau eine Freude und schiebe sie in die erste Reihe am Absperrseil, ich kann hier nicht das Ende des Mittagessens abwarten. Und so bleibt mir von der Königin am Cecilienhof dann doch wieder nur ein Fernsehbild:
Und ja, doch, es stimmt, es ist ja Verwandtschaft. Aber ich mußte wirklich weg, ich hatte zu arbeiten...
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