preußischblau

Das Potsdamer Weblog preußischblau: Aktuelles aus Potsdam und Notizen einer Stadtführerin.


 

31. August 2004

Die Unendlichkeit des Augenblicks

Ob Malte Brekenfelds Arbeiten den Augenblick ins Unendliche dehnen oder beim Betrachten die Zeit wie im Fluge vergeht - die Ausstellungseröffnung wird sicher kurzweilig. Also schnell oder geschlendert ins backsteinrote Viertel Potsdams, in die Sperlgalerie:

3. September 2004, 20.00 Uhr Eröffnung der Ausstellung mit Malerei und Skulptur von Malte Brekenfeld. Die Ausstellung ist bis 17. Oktober zu sehen, die Galerie ist geöffnet von Mittwoch bis Sonntag 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.
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26. August 2004

Das erste Haus in Potsdam

Kommt man über die Glienicker Brücke von Berlin nach Potsdam, fällt einem gleich rechts hinter der Brücke ein noch unsaniertes, aber sehr schönes Haus ins Auge: Die Villa Schöningen, eine der eindrucksvollsten Vertreterinnen des italienischen Villenstils, der das Potsdamer Stadtbild mitgeprägt hat.

Der Name der Villa stammt von ihrem ersten Besitzer Kurd von Schöning, Hofmarschall bei Prinz Carl von Preußen, der gleich gegenüber - heute auf der Berliner Seite der Brücke - im Schloß Glienicke lebte; Architekt der Villa ist kein geringerer als der Architekt des Königs Ludwig Persius.

So weit, so gut, und spätestens seit im letzten Jahr Persius' 200. Geburtstag u.a. mit einer großen Ausstellung im Schloß Babelsberg gefeiert wurde, ist dieses Wissen in Potsdam Allgemeingut. Offenbar so gut wie überhaupt nicht bekannt ist, daß die Villa seit 1882 der Familie Wallich gehörte. Und wenn dieser Name fällt, sollten zumindest die Angestellten der Deutschen Bank aufhorchen: Ja, richtig, Hermann Wallich (28.12.1833 - 30.4.1928) war einer der ersten Vorstände der Bank:

"Dem ersten 'Vorstand' der Deutschen Bank - zunächst noch Direktion genannt - gehörten neben Siemens zwei weitere Mitglieder, Wilhelm Platenius und Hermann Wallich, an. Von einem eigenständigen Handeln der Direktion konnte freilich keine Rede sein. Das eigentliche Sagen in der Bank hatte der 24köpfige Verwaltungsrat, bzw. ein daraus gewählter 'Fünferausschuß', der sich kräftig in die Tagesgeschäfte einmischte. Siemens und seine Kollegen konnten z.B. keine Geschäfte über 1000 Mark eigenständig tätigen - eine lächerliche Summe, die nach heutiger Kaufkraft ca. 20000-25000 Mark entspräche.

Siemens kritisierte denn auch die Versuche des Verwaltungsrats, das Unternehmen zu führen, mit einem Vergleich: 'Wenn 24 Leute eine Bank leiten wollen, dann ist das wie mit einem Mädchen, das 24 Freier hat. Es heiratet sie keiner. Aber am Ende hat sie ein Kind!'" Quelle

Einer jüdischen Familie aus dem Rheinland entstammend, heiratete Hermann Wallich die Tochter des damaligen Besitzers der Villa Schöningen, Moritz Jacobi. 1882 ging die Villa in seinen Besitz über, an Anfang nutzte die Familie die Villa nur als Sommerhaus und lebte ansonsten in Berlin, mit Beginn der Motorisierung und der damit verkürzten Fahrzeit zwischen den beiden Städten war es der Familie dann möglich, ganz nach Potsdam zu ziehen. Im gleichen Jahr 1882 wurde Hermanns Sohn Paul Wallich geboren, der später die Villa mit seiner Frau Hildegard bewohnte.

Paul Wallich wiederum war Bankier, Mitinhaber des unter den Nazis ausgelöschten Frankfurter Bankhauses J. Dreyfus & Co. und schrieb als Nationalökonom ein Standardwerk über das Berliner Wirtschaftsleben:

Berliner Grosskaufleute und Kapitalisten
(Hugo Rachel, Johannes Papritz, Paul Wallich, Bd. 1-3 1924-1939. Neu hrsg. und bibliogr. erw. von Johannes Schultze, Henry C. Wallich und Gerd Heinrich, Bd. 1-3, Berlin 1967)

Paul Wallich ließ einige Anbauten an der Villa Schöningen vornehmen, er legte einen Tennisplatz auf dem parkähnlichen Grundstück an und war ein passionierter Segler. Außerdem war er Mitglied der Gesellschaft der Freunde, einem jüdischen Verein, der von 1792 bis 1935 existierte und dessen Arbeit unter dem Motto Moses Mendelssohns stand: "Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste thun." Mehr Informationen zur Gesellschaft der Freunde finden sich auf der Website des Berliner Historikers Sebastian Panwitz, der gerade seine Doktorarbeit zu diesem Thema schreibt.

Paul Wallich hat sich 1938 nach den Novemberpogromen das Leben genommen.

Über die Geschichte der Familie Wallich und ihr Leben in der Villa Schöningen gibt es ein englischsprachiges Buch von Katie Hafner: "The House at the Bridge" und ebenso eine Website: www.thehouseatthebridge.com.

Ergänzung vom 22. Februar 2005: Das Buch von Katie Hafner ist mittlerweile auch in Deutsch erschienen, und zwar hier, im Märkischen Verlag Wilhelmshorst.
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23. August 2004

Sommerfrische

Detail Belvedere, Villa d'Este in Tivoli, März 2004
Wem es zu heiß wird im Potsdamer Sommer, der besteigt den Pfingstberg, kommt dabei richtig ins Schwitzen und genießt nach schwindelfreier Besteigung der engen Wendeltreppen dann die immer frische Brise in dieser Höhe und natürlich die Aussicht. An klaren Tagen geht der Blick bis zum Alexanderplatz nach Berlin - mehr als dreißig Kilometer entfernt.

Die italienischste Stadt Deutschlands wird Potsdam oft genannt. Auf dem Pfingstberg besteht daran kein Zweifel mehr - hier hat sich ein König seinen italienischen Traum gebaut... Und falls es noch eines Beweises bedarf, bitteschön: Das Foto oben zeigt - nein, nicht das Pfingstberg-Belvedere, sondern ein Detail der Villa d'Este in Tivoli, in der Nähe von Rom. Der Blick von diesem Belvedere in Richtung Rom bietet nur selten einen klaren Himmel, wurde uns erzählt, als wir im März diesen Jahres dort waren. Und hier der direkte Vergleich:

Belvedere der Villa d'Este in Tivoli, März 2004 Belvedere auf dem Pfingstberg in Potsdam, Ostturm
Links die Villa d'Este, rechts der Ostturm des Pfingstberg-Belvederes in Potsdam.

Ihnen ist immer noch zu warm? Dann empfehle ich Ihnen einen Blick auf dieses Foto. Gefunden habe ich es in der Fotogalerie des Fördervereins Pfingstberg, und dort gibt es auch noch mehr schöne kalte Winterfotos...

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11. August 2004

Richtfest

noch kann man bis oben durchsehen und noch kann man die Lüftungsschächte sehen
Am letzten Freitag feierte Karstadt in der Brandenburger Straße Richtfest. Die Sanierung bzw. der Ausbau des alten Kaufhauses von Potsdam war auch so eine unendliche Geschichte; es gab jahrelang Gezerre und Verschiebungen des Baustarts. Nun ist das Ding endlich auf dem Weg, zum Richtfest gab es Musik und Bier und Sekt und Würstchen und viele Neugierige, die sich in das kühle und rohe Innere des zukünftigen Kaufhauses flüchteten. Der Gebäudekomplex wird nach Fertigstellung übrigens nicht nur von der Brandenburger Straße aus zu betreten sein, es gibt auch Eingänge von der Jäger-, Gutenberg- und Dortustraße.
viele Leute bei Bier, Sekt und Musik und Stützstangen, Stützstangen

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