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Das Potsdamer Weblog preußischblau: Aktuelles aus Potsdam und Notizen einer Stadtführerin.
31. Dezember 2003
Ein Jahresrückblick natürlich
Vergangenen Sonntag bei meiner Führung in der Schiffbauergasse hatte ich 49 Gäste. In Worten: Neunundvierzig! Eigentlich viel zu viele, viele unangemeldet, ich ziemlich erkältet, die Stimme belegt - das sind so Momente, wo man durchaus ein bißchen Panik bekommen könnte. Aber aus dem befürchteten Desaster wurden zwei (!) wunderbare Stunden, alle haben alles gut verstehen können und sich mit Applaus bedankt - ein fantastischer Jahresausklang für eine Stadtführerin! Und sonst? Es war ein sehr gutes Jahr mit vielen neugierigen, wind- und wetterfesten, temperamentvollen oder still-nachdenklichen Gästen:
Eine Deutsch-Brasilianerin, die mit ausgebreiteten Armen über die Glienicker Brücke rennt und ruft, darauf habe sie 25 Jahre gewartet. Ein Komponist, der nach dem Besuch am Grab Friedrichs des Großen leise zu mir sagt: Ein Krieger und Poet - wie hat er das nur ausgehalten?
Ein Major der Reserve in Zivil, der zusammen mit zwei freundlichen Soldaten in sommerlicher Uniform eine Gruppe von Offiziersfrauen bei einer Führung begleitet, und auf meine Frage, was er denn so im bürgerlichen Hauptberuf mache, antwortet: Ich bin Bürgermeister. Und keiner kleinen Stadt - ups!
Mit einer Frau, die während unseres Spaziergangs ihrem Mann zuflüstert: Schatz, wollen wir nicht doch nach Potsdam ziehen? Mit dem Verwaltungsleiter einer deutschen Schule in Afrika, der fest davon überzeugt ist, daß ich dabei war, als die Hauptfontäne von Sanssouci einmal hochstieg und wieder zusammensank: Sie haben die Träne im Augenwinkel von Friedrich gesehen, nicht wahr? Ähem, naja, jetzt bin ich wohl enttarnt...
Ein Jahr mit einem Innenstadtspaziergang für das Personal der Königlich-Dänischen Botschaft Berlin und seiner Exzellenz, dem Botschafter, der jetzt weiß, warum er die Garnisonkirche in Potsdam nicht finden konnte, als er sie einmal seinem Kollegen aus Singapur zeigen wollte... Mit der Frau des Wissenschaftlers, der an einer Konferenz teilnimmt, während wir durchs Holländische Viertel bummeln: Der Arme, sitzt da fest und verpaßt das Beste!
Das war gar nicht so langweilig, wie ich dachte!, murmelte der 17jährige an einem schrecklich kalten Novembervormittag, seine Mitschüler nicken fleißig und klatschen - während des Spaziergangs mußten sie natürlich ganz coole, unbeteiligte Gesichter machen...
Einige aufzuzählen, heißt viele unterschlagen, nicht wahr? Aber all meinen Gästen ein herzliches Dankeschön für ihre Neugier auf diese wunderbare Stadt und für ihre Aufmerksamkeit und Freundlichkeit während unserer Spaziergänge und Rundfahrten! Kommen Sie wieder - Sie alle haben noch lange nicht alles von Potsdam gesehen!
Und vielen Dank auch allen Partnern, die eine Stadtführerin braucht: Den Gastronomen, die ich meinen Gästen zur Einkehr empfehle und die mit ihrem Service üble Gerüchte widerlegen, Brandenburger wären nur zu sehr robuster Freundlichkeit fähig. Und wissen, daß die Stadtführerin dankbar für eine große Apfelschorle ist.
Dankeschön allen Potsdamern, die ihre Türen und Tore spontan aufhalten und meine Gäste einen Blick in ihre Höfe und Treppenhäuser werfen lassen. Und großzügig darüber hinwegsehen, wenn mal wieder zwanzig Touristen das Vorbeikommen auf dem Bürgersteig erschweren.
Besonderen Dank für die immer erfreuliche Zusammenarbeit an die Firma Anger in Marquardt, die auch in der Lage ist, innerhalb einer Viertelstunde einen Bus zu schicken, wenn meine Gäste doch nicht laufen wollen. Und deren liebenswürdige und ortskundige Fahrer kein Problem mit meiner Rechts-Links-Schwäche haben - sie biegen immer richtig ab!
Und - nur das nicht vergessen! - danke auch an Kräuter-Heinrich in der Gutenbergstraße, der mit seiner Stadtführer-Kräutertee-Spezialmischung dafür sorgt, daß ich meine Stimme immer wieder finde... Und Stimme ist alles in meinem Beruf - siehe oben!
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26. Dezember 2003
Führung Schiffbauergasse am 28. Dezember 2003 ist ausgebucht
Für meine Führung über das Gelände der Schiffbauergasse am 28. 12. 2003 (also übermorgen) gibt es schon sehr viele Anmeldungen.
Deshalb möchte ich interessierte Gäste herzlich bitten, sich möglichst für einen der späteren Termine zu entscheiden. Schon am 10. Januar 2004 gibt es wieder eine Möglichkeit, sich mit Geschichte und Zukunft dieses Standortes in Potsdam bekannt zu machen!
Weitere Termine und Informationen finden Sie hier.
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18. Dezember 2003
Ein frohes Weihnachtsfest allen meinen Gästen!

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16. Dezember 2003
Früher Kutschen, jetzt Geschichte
Morgen, am 17. Dezember, wird das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte im Kutschstall am Neuen Markt, einem der schönsten Plätze Potsdams, feierlich eröffnet. Ab 18. Dezember ist es dann der Öffentlichkeit zugänglich. Es ist unsere Vision, die erste Anlaufstelle für Potsdam-Touristen zu werden, sagte der Direktor des Hauses Gert Streidt, nachzulesen in einem Artikel der Berliner Morgenpost. Informationen zur Dauerausstellung finden Sie hier, Neuigkeiten und Veranstaltungen des Hauses dort.
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15. Dezember 2003
Potsdam verschenken
Wenn Sie jetzt noch kein Weihnachtsgeschenk haben, aber jemanden, der sich für Potsdam, seine Geschichte und Zukunft interessiert, beschenken möchten, dann hätte ich eine Idee: Verschenken Sie doch einen Gutschein für eine Stadtführung!
Wenn Sie sich schnell entscheiden, dann schaffen ich und die Post es noch, den Gutschein rechtzeitig an Sie oder direkt an den Empfänger zu schicken...
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11. Dezember 2003
Himbeeren aus der Altmark
Ehrlich gesagt, ich bin kein Freund von Obstwein; ich mag auch den aus Werder nicht, obwohl mir das vielleicht als mangelnder Regionalpatriotismus ausgelegt wird. Ich mag Katzen einfach lieber als Kater, wenn Sie verstehen, ähem...
Meine Meinung geändert habe ich wegen und nur für die Obstweine aus der Altmark. Die kleine, feine Weinmanufaktur aus Rohrbeck verarbeitet ausschließlich ungespritztes Obst von Bauern ihrer Gegend, alles ist handgemacht und die Menge ist begrenzt, weil man dort auf Qualität mehr Wert legt als auf Masse.
Und am kommenden Wochenende kann man auf dem Potsdamer Sinterklaas-Markt im Holländischen Viertel diesen Wein kaufen: Halten Sie Ausschau nach dem Stand der Weinmacher von Alles in Gärung!
Und übrigens: Auch in Dresden-Loschwitz auf dem Weihnachtsmarkt sind die Weine aus der Altmark zu bekommen - fragen Sie am besten meine Kollegin Birgit van Stipriaan von www.visit-dresden.de nach dem Weg. Und schöne Grüße!
Mein Favorit ist im Moment der süße Himbeerwein (gibt's auch in der trockenen Variante). An einem späten Adventsnachmittag mit dem Geruch von Himbeeren in der Nase und sanfter Alkoholunterstützung die Weihnachtskarten zu schreiben - dann ist die Welt in Ordnung. Oder eben: Alles in Gärung...
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9. Dezember 2003
Schlösserkarten
heißt es kurz und bündig in der Umgangssprache der Potsdamer. Wo gibt's denn nun dieSchlösserkarten? Wann kann man denn Schlösserkarten kaufen?
Also, ab morgen gibt es Karten für die Schlössernacht am 21. August 2004. Auch dieses Mal ist die Anzahl der Tickets auf 32.000 begrenzt. Klingt viel? Na dann, warten Sie ruhig noch eine Weile... Ich hab Sie gewarnt!
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4. Dezember 2003
Nikolaus in der Schiffbauergasse
Wie wäre es denn, wenn Sie Ihre frischgeputzten, gut gefüllten Nikolausstiefel von eben dieser Füllung befreien, sie anziehen und am kommenden Sonnabend zu meiner Führung in die Schiffbauergasse kommen? Überraschungen gibt es auf dieser Schaustelle schließlich genug. Allerdings kann ich nicht versprechen, daß die Stiefel nach der Führung immer noch blankgeputzt aussehen...
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Es gibt kein schlechtes Wetter
Denn ohne dunkelgraue, neblige Tage, garniert mit kaltem Nieselregen gäbe es doch gar keine gute Ausrede, warum man sich die wohl größte Kalorienbombe der Stadt gönnt... Und damit Sie nicht denken, das Gerede von der besten Trinkschokolade Potsdams sei nur Stadtführerinnen-Geflunker, hier ein Beweisfoto:
Ich bevorzuge dazu Orangenlikör, der in einem Extraglas kommt, rühre ihn aber immer gleich mit rein. Den Sahneklecks, der ebenfalls separat serviert wird, vorsichtig obendrauf gleiten lassen, ja, ganz behutsam, sehr gut! So, und nun Schluß mit der Vorfreude, nun muß man tapfer sein und gute Vorsätze gute Vorsätze sein lassen. Denken Sie daran: Da draußen lauert das Schmuddelwetter, da braucht das Immunsystem ja schließlich Verbündete, nicht wahr?
Ach und übrigens: Von dem wolkenweißen Käsekuchen im Hintergrund hab ich nur gekostet, ich schwöre! Man sollte eben auch seine Grenzen gelassen erkennen...
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2. Dezember 2003
Tour de France in Potsdam
Letzten Sonnabend laufe ich mit meinen Gästen ganz entspannt durch den Neuen Garten, rede über den dicken Wilhelm und seine Wilhelmine, das Marmorpalais und die Pfaueninsel, Peter Joseph Lenné und das erstaunlich haltbare Novemberwetter - da kommt uns plötzlich ein Radfahrer entgegen. Grünes Rennrad, grüner Rennradleranzug, Wollmütze. Und er kommt nicht nur, er rast auf uns zu. Ja ja, Radfahren ist hier verboten. Es sei denn, man hat für die Restaurierung des Marmorpalais' viel Geld gespendet: Dann bekommt man von der Stiftung eine Radfahr-Ausnahmegenehmigung. Und das ist mehr als fair.
Der uns entgegenkommt ist nicht der edle und republikweit bekannte Spender - aber hey! Es ist November, wir sind hier gerade weit und breit die einzigen Spaziergänger, genug Platz für uns und ihn, und ich bin keine Parkwächterin. Also machen wir einfach etwas Platz auf dem Weg, der Radfahrer bremst sportlich, fährt langsam an uns vorbei, ruft ein freundliches Dankeschön und tritt wieder in die Pedalen. Kein schlechter Antritt, denk ich noch, und dann bleibt mir und einem meiner Gäste der Mund offen stehen.
Ist das nicht...?
Den kenn' ich doch, es liegt mir auf der Zunge!
Ja! ruft mein Gast erfreut: Das ist Jens Voigt!
Ein Tour-de-France-Teilnehmer beim Training im Neuen Garten. Das ist doch mal ein Höhepunkt einer Stadtführung - und mit erheblichem Organisationsaufwand verbunden, das kann ich Ihnen sagen!
Na, aber im Ernst: Wenn Jens Voigt wegen dieser Geschichte hier im Nachhinein noch Ärger bekommt, dann bringe ich ebenfalls an dieser Stelle einen Widerruf, schwöre, daß ich alles frei erfunden habe - oder zahle einfach das Strafticket. Versprochen.
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1. Dezember 2003
Denn nur Provinzler halten Potsdam für Provinz.
Also vor allem Berliner. Die anderen glauben: Potsdam ist Avantgarde. Und wenn das nicht jeder mitkriegt, umso besser.
Das Zitat stammt aus einem sehr lesenwerten Artikel von Kerstin Decker im Tagesspiegel vom 30. November 2003. Darin geht es auch um Joop und Jauch, den neuen Theaterintendanten, die Schiffbauergasse, die Märkte der Stadt und um die Schönheit: Es ist immer anderes wichtig als die Schönheit. Potsdam ist der Gegenbeweis.
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