preußischblau

Das Potsdamer Weblog preußischblau: Aktuelles aus Potsdam und Notizen einer Stadtführerin.


 

27. Oktober 2003

Letzte Gelegenheit

ein Wikinger zu sein, jedenfalls für dieses Jahr: 31. Oktober, 1. und 2. November. An diesen Tagen dreht die "Kari" ihre letzten Runden über den Jungfernsee.
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24. Oktober 2003

Das Wikingerschiff "Kari" hat seine Sturmprobe bestanden

Zum Saisonabschluß habe ich Heinz Ney vom Verein eviga um ein paar Auskünfte gebeten. Der Verein hat seit Frühjahr 2003 das original nachgebaute Wikingerschiff "Kari" als Fähre auf dem Jungfernsee in Potsdam eingesetzt.

Herr Ney, wie erging es der Sturmgöttin auf dem Jungfernsee?

Also, eine Saison auf dem Jungfernsee zu bestehen ? nun, das ist prägend! Einmal deshalb, weil die Führung eines (binnen-)maritimen Bereiches für den gemeinnützigen Verein eviga etwas völlig Neues darstellt. Und zum anderen, weil sich die natürlichen Bedingungen des Sees als recht schwierig darstellen. Der Jungfernsee ist keine homogene Seefläche, sondern es gibt eine Vielzahl von Zuflüssen bzw. Seeverbindungen, abnorme Windverhältnisse und Untiefen. Es ist eine seemännisch schwierig zu meisternde Situation. Aber die "Kari" (Name aus der nordischen Mythologie: Sturmgöttin) hat mit Hilfe ihrer Besatzung die Schwierigkeiten sehr gut bestanden.

Wurde das Fährangebot zwischen Kongsnæs und Sacrower Heilandskirche gut angenommen?

Der Kalkulationsansatz für den Fährbetrieb zwischen der norwegischen Matrosenstation Kongsnæs und dem Ortsteil Sacrow war zu optimistisch angesetzt! Wir hatten damit gerechnet, den Potsdamern aus Sacrow den Umweg von 25 km Landweg durch die angebotenen 1,6 km Wasserweg ersparen zu können; aber getreu des altmärkischen Mottos "Dat is so, dat bliewt so!" haben wir es nicht geschafft - trotz saisongünstiger Preisangebote - die Sacrower vom Autositz runterzuholen.

In der Gesamtsaison fuhren schätzungsweise knapp 9.000 Menschen mit der Fähre, Spitzennutzung im August mit 2.542 Gästen. Der größte Teil der Fahrensleute kam aus Berlin - 70 Prozent.

Wie finden es die Gäste, ein Wikingerschiff als Fähre zu benutzen?

Sie sind begeistert. Eine Berlinerin hat sogar ein Gedicht dazu geschrieben. Aber es gab auch Frust für die wartenden Nutzer und für die Besatzung, speziell an den Wochenenden. Bis zu drei Schiffe hätten wir da einsetzen können. Den Fahrplan haben wir dann nicht mehr einhalten können, da mehr Fahrten als vorgesehen den geplanten Rhythmus veränderten.

Wurde das Angebot, die Kari für private Fahrten zu chartern, auch angenommen?

Vom "Angebot vertraglicher Beförderungsleistungen" wurde reger Gebrauch gemacht; über 70 mal fuhren wir mit der Kari einen individuellen Kurs.

Was war der Höhepunkt der Saison?

Nun, das war mit Sicherheit der Auftritt der Kari im norwegischen Fernsehen, aber auch beim ZDF mit Patrick Lindner und immer wieder beim rbb (damals noch ORB). Die Radioanstalten habe ich nicht mehr gezählt, u.a. gab es Sendungen bei Antenne Brandenburg, rs2, Radio Paradiso. Ach, ehe ich es vergesse: Zweimal haben wir eine Tombola mit großer Beteiligung durchgeführt.

Abgesehen von dem wohl unvermeidlichen Sonnenbrand in diesem Sommer ? wie erging es der Mannschaft an ihrem doch ungewöhnlichen Arbeitsort?

Von einem Sonnenbrand hat mir keiner der Männer berichtet. Ich kann nur optisch feststellen, daß die Hautfarbe sehr gesund wirkte. Vier Personen hatten in dieser Saison durch den Schiffsbetrieb einen befristeten Arbeitsplatz, zwei davon sollen ihn auch in der nächsten Saison erhalten.

Wurde denn auch gerudert oder Segel gesetzt?

Ja, das Ruderangebot wurde auch angenommen; dermaßen stark, dass wir im Winterhalbjahr bauliche Verbesserungen treffen müssen (die Klüsen, das sind die Halterungen der Riemen, haben ganz schön gelitten). Jetzt suche ich einen richtigen alten trockenen knorrigen Kirschbaumstamm, um für das nächste Jahr besser gerüstet zu sein. In welchem Kleingarten steht noch so?n Boom? Wir holen ihn gerne selbst ab! Übrigens wird uns der Verein BuS e.V. in Potsdam dabei handwerklich unterstützen.

Bedingt durch die Abnutzungen mußten wir leider den Ruder/innen der Potsdamer Ruder-Gesellschaft e.V. die geplante Nutzung absagen. Das bedauern wir noch heute sehr. Im nächsten Jahr können die Sportler/innen die Kari dafür kostenfrei nutzen. Das wissen sie noch gar nicht; wollen doch mal sehen, ob dieses Interview auch gelesen wird. Gesegelt wurde auch ? mir persönlich viel zu wenig! Ich hoffe sehr, das sich das im nächsten Jahr vervielfacht.

Das merkwürdigste Ereignis der Saison war...

... am 05. Juni: Da entwickelte sich im Berliner Raum gegen 18.30 Uhr ein schwerer Sturm mit starken Regengüssen und Gewitter. Die Kari wurde von diesen Wetterunbilden auf der Überfahrt von Sacrow nach Kongsnæs plötzlich überrascht. Laut Berliner Morgenpost vom 6. Juni 2003 war zu der Zeit in der Ortslage Wannsee ein Sturm mit einer Spitzengeschwindigkeit von 107 km/h auszumachen. Es ist davon auszugehen, daß auf dem Jungfernsee die Windgeschwindigkeit weit höher lag.

Das Schiff wurde über den Jungfernsee an das Ufer des Glienicker Parks gefegt. Eine versuchte Ankerung war ohne Erfolg - der Anker ließ sich im Seegrund durch die Sturmgewalt nicht festmachen, der Grund wurde regelrecht aufgepflügt. Ein Blitz schlug in den Mast ein. Das Schiff drohte zu kentern, es war zeitweilig ein Freibord von lediglich 10 cm auszumachen. Die Besatzung setzte gemeinsam alles daran, das Schiff aus der Gefahrensituation zu bringen. Die Mannschaft hat sich ? am Ende vollständig durchnäßt und unterkühlt - mit großem persönlichen Einsatz vehement für die Rettung des Schiffes eingesetzt.

Sind die Hoffnungen, die Ihr Verein eviga mit dem Einsatz des Schiffes verbunden hat, in Erfüllung gegangen?

Teils teils. Hauptziel war die Umsetzung von Initiativen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. Das haben wir ja erreicht, aber wir hatten mehr erwartet - ein neues Produkt braucht eine gewisse Einführungsphase. Verbesserungswürdig für die nächste Saison ist das öffentliche Werbeangebot. Daran arbeiten wir derzeitig.

Wo verbringt das Schiff den Winter?

Die Kari bleibt in Potsdam und überwintert am Tiefen See an Land.

Werden wir die Kari im nächsten Jahr als Fähre in Potsdam wiedersehen?

Ja, natürlich! Die Saison wird am 1. April eingeläutet. Ach, bei "Läuten" fällt mir ein: Möchte uns nicht ein alter Fahrensmann eine schöne Schiffsglocke aus Messing spenden?

Was wünschen Sie sich für die nächste Saison?

Ich wünsche mir für 2004 viele fröhliche "Seeleute", mehr als "Sehleute".

Planen Sie Veränderungen oder etwas Neues?

Mehrere Verbesserungen sind in Vorbereitung: Das Fährangebot soll ein "Dreiecksverhältnis" werden: Wir beabsichtigen, zusätzlich den Berliner Haltepunkt Krughorn anzufahren, also die Punkte Kongsnæs ? Sacrow Heilandskirche - Krughorn ? Kongsnæs zu verbinden.

An unserer "Knorpelschänke" Kongsnæs wird ein gastronomisches Betreuungsangebot vorbereitet. Der wartende Fahrgast kann sich dann bei Kaffee und Kuchen, mit Eis oder Bier die Zeit verkürzen.

Vielen Dank! Dem Schiff, der Mannschaft und Ihnen: Mast- und Schotbruch für die nächste Saison!

(Das Interview wurde per Email geführt.)
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21. Oktober 2003

Die Dreckecke

Als ich als Kind nach Potsdam kam, haben mir die großen alten Kasernen in der Berliner Straße Angst gemacht. Später habe ich sie einfach ausgeblendet - es ist erstaunlich, was man nicht sieht, wenn man nicht sehen will. Ab und zu sah ich russische Lastwagen vom Hof der gelben Kaserne fahren, und ab und zu pfiffen mir NVA-Soldaten hinterher, die auf den Fensterbänken der roten Kaserne gegenüber saßen und rauchten.

Einmal war ich mit der Schulklasse zu Besuch im Gaswerk, das gleich hinter der gelben Kaserne lag. Das Werk hab ich als schwarzes, zischendes, stinkendes Monster in Erinnerung, das von den ebenso dreckigen Arbeitern wohl nur mühsam zu bändigen war. Jetzt löschen wir die Kohle, sagte der Arbeiter, der uns führte, und gleich darauf sahen wir eine gewaltige Wolke weißen Wasserdampfes aufsteigen - ein Schauspiel, das den Potsdamern mehrmals am Tag geboten wurde.

Ich erinnere mich auch an den Bau der Humboldtbrücke: Als die Auffahrtsrampe von der Berliner Straße zur Brücke aufgeschüttet, aber noch nicht befestigt war, haben wir dort in einem Herbst unsere Drachen steigen lassen. Ein paar Jahre später hab ich an einem dunklen, verschneiten Wintertag Fotos vom Babelsberger Park aus gemacht: Die schon leicht vergilbten Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen wiederum ein häßliches Industriemonster am Wasser.

Das ganze Gelände war kein weißer, sondern ein dreckiger Fleck auf der Potsdamer Landkarte.

Und jetzt entsteht dort ein Kultur- und Gewerbestandort, um den uns viele Städte bald beneiden werden. Ausgerechnet dort draußen, an dieser Dreckecke, bauen Sie das neue Theater, hörte ich neulich einen alten Mann in der Straßenbahn schimpfen. Aber die Zeiten ändern sich, die Altlasten des Gaswerkes und der sowjetischen KGB-Einheit sind beseitigt, und jetzt, in der dunklen Jahreszeit leuchtet der rote Oracle-Schriftzug schon nachmittags über das Wasser, während der Berufsverkehr sich auf der Humboldtbrücke staut.

Hier entsteht unter anderem Ihr festlicher Theaterabend - schauen Sie sich um! Ab Sonnabend biete ich Sonderführungen über das Areal Schiffbauergasse.
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14. Oktober 2003

Potsdam ist nicht nur Sanssouci

Ich hätte nie gedacht, daß Potsdam so unglaublich schön ist und so viel zu bieten hat! Man denkt ja immer: Potsdam, ja, da steht das Schloß Sanssouci. Und mehr nicht. Aber es gibt viel mehr - wir müssen wiederkommen!

So etwas sagen meine Gäste dauernd, ehrlich. Ich finde, ich sollte für jeden dieser Sätze, na, sagen wir mal, hundert Euro vom Oberbürgermeister bekommen. Na gut, in Zeiten knapper Kassen wäre ich auch mit dem Titel Botschafterin Potsdams zufrieden.

Eine Freundin sagte neulich: Schreib das auf, was die Leute sagen, schreib's hin! Das gehört ja schließlich zur Firmengeschichte. Und Klappern gehört zum Handwerk.

Und ehrlich: Potsdam ist nicht nur Sanssouci!
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Fotos von der Grundsteinlegung

Bei der Grundsteinlegung für das Hans-Otto-Theater war heute auch das Modell des Baues zu sehen:

Modell des zukünftigen Potsdamer Theaterbaues

Ein muschelförmiges Gebilde, das sich zum Wasser hin öffnet, heißt es immer dazu. Rechts zu sehen, in Blau hinter dem Modellbaum, die frühere Zichorienmühle, die an den Theaterbau angeschlossen wird und - so der Wunsch - ein Restaurant beherbergen soll.

Modell des zukünftigen Potsdamer Theaterbaues

Im Vordergrund das Theatermodell, dieses Mal von der Seite zu sehen. Rechts im Hintergrund des Fotos der Turm der Zichorienmühle, die später zu einer Fabrikantenvilla umgebaut und mit einem Zinnenkranz versehen wurde.

ehemaliger Gasometer des Potsdamer Gaswerkes

Dies ist der Blick vom zinnenkranzgekrönten Dach der ehemaligen Zichorienmühle hinunter zum Gasometer des früheren Gaswerkes. Er wird als Wirtschaftshof in den Neubau des Theaters einbezogen. An seinem Fuß wurde heute der Grundstein gelegt. Vom Akt an sich war leider nicht viel zu sehen, außer Fotografen und Kameraleute:

Fotografen, Kameraleute, und dahinter irgendwo die Grundsteinlegung
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11. Oktober 2003

Auf den Hund gekommen

Wir stehen am Grab Friedrichs des Großen. Neben der Platte, die den Eingang zu seiner Gruft deckt, die Grabplatten seiner Hunde - es war sein ausdrücklicher Wunsch, bei seinen Hunden begraben zu sein.

Dieser König ist ja ganz schön auf den Hund gekommen. Sagt einer meiner Gäste.

Gäste dürfen so etwas sagen, doch. Stadtführer nicht.
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7. Oktober 2003

Details zur Grundsteinlegung

Die Öffentlichkeitsarbeit des Theaters hat mich heute noch mit ein paar Detailinformationen versorgt: Der Festakt zur Grundsteinlegung wird mit einem musikalischen Ausschnitt aus "Papageno spielt auf der Zauberflöte" vom Theater eröffnet. Danach gibt es - na, was wohl? - Reden! Es sprechen der Ministerpräsident Matthias Platzeck, der Oberbürgermeister Potsdams Jann Jakobs und die Kulturministerin Brandenburgs, Frau Prof. Wanka. Der Grundstein selbst wird durch den Intendanten Ralf-Günther Krolkiewicz gelegt.

Danach wird der offizelle Teil beendet und man kann sich am Büfett vergnügen und noch ein wenig unterhalten, steht in meiner Post.
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1. Oktober 2003

Theater, Theater

Nach dem ersten Spatenstich am 16. April 2003, der ja eher ein Rammenschlag war, folgt nun am 14. Oktober die Grundsteinlegung für den Neubau des Hans-Otto-Theaters auf dem Gelände "Schiffbauergasse". Mittags um zwölf ist es soweit, und die Theaterleute wären sicher glücklich über viele Gäste, die sich schon jetzt auf die neue Spielstätte freuen - 2006 soll sie fertig sein.

Schon an diesem Freitag, also am Tag der Deutschen Einheit, feiert das Ensemble sein Theaterfest in der Blechbüchse am Alten Markt: Blech brennt nicht!. Beginn ist um 18.00 Uhr, der Eintritt ist frei.
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