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Das Potsdamer Weblog preußischblau: Aktuelles aus Potsdam und Notizen einer Stadtführerin.
24. Juli 2003
Und nun das Wetter
Nach einer wegen der tropischen Temperaturen durchwachten Nacht trifft man frühmorgens gleichfalls Geräderte in Latschen und Bademantel am Heiligen See. Wenigstens ein paar Schwimmzüge Abkühlung vor dem Bürotag; drüben vor dem Marmorpalais ist der See am tiefsten und kältesten, das Wasser morgens noch klar und frei von quiekenden Teenagern. Ein Mann hat ein klingelndes Handy im Bademantel: Ja Schatz, ich bring Brötchen mit. Äh, Moment, ich hab gar kein Geld - ach, dann laß ich anschreiben. Man kennt sich hier in der Gegend.
Vor ein paar Tagen war ich mal wieder auf der Freundschaftsinsel, die Gärtner kämpfen in der Hitze gegen das Unkraut im Staudenbeet. Viel davon gibt es nicht, aber diese Arbeit möchte ich jetzt nicht machen müssen.
Ach, würden Sie lieber im Büro sitzen bei dem Wetter?
Nö, aber im klimatisierten Bus vielleicht.
Die sind doch alle am Meer die Touristen. Wer will schon bei der Hitze Stadt gucken? Zu uns verirrt sich ja auch kaum einer. Kinder vorn auf dem Wasserspielplatz, ja, und Stammkunden auf ihren Bänken. Aber sonst? Wo doch alles so schön blüht gerade. Die Regner laufen Tag und Nacht!
Und wahrlich, die Insel ist eine grüne und blühende Oase im italienisch-heißen Potsdam. Da hat es die Schlösserstiftung schon schwerer mit ihren Parks. Die berühmten Rabatten dürsten natürlich nicht, und auch all die südlichen Kübelpflanzen sind in ihrem Element. Aber die Wiesen hat es doch schwer erwischt - nur woher sollte das Geld kommen, um quadratkilometerweise die Wiesen zu wässern?
Ganz schlimm ist es im Neuen Garten an den geduldeten Badestellen: Liegewiesen kann man das nicht mehr nennen, alles ist zu Sand und Dreck zerlegen und zerlatscht, übernutzt. Der Kompromiß, in bestimmten Bereichen des Parks, der ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, Badende und Liegende zu dulden, wird bei so viel Zerstörung doch arg strapaziert.
Der am Rand des Neuen Gartens Ende Juni eröffneten Gasthausbrauerei in der alten Meierei wird die Hitze recht sein: Das Bier fließt in Strömen, und es ist gut. Was man vom angebotenen Essen und vom Service leider nicht sagen kann. Als ich vorgestern eine Kollegin dort traf, erzählte sie mir, sie hätte sich neulich geweigert, mit einer Gruppe zum Essen dorthin zu gehen. Biertrinken ja, Essen nein.
Nun sind wir Stadtführerinnen und Stadtführer ja tatsächlich Multiplikatoren für Betreiber gastronomischer Einrichtungen. Aber wir sehen uns eben selbst als Dienstleister, ja Anwälte für unsere Gäste. Und darum ist es besonders unangenehm, wenn ein so traumhaft gelegener Ort die Gäste enttäuscht und deshalb von uns nicht empfohlen werden kann. Bitte, bitte, liebe Meierei! Wir erwarten ja keine gehobene Sterneküche, aber auch ein "Imbißangebot zum Bier" muß einen bestimmten Standard haben. Auch bei schönstem Sonnenschein.
Das ebenfalls Ende Juni - ja, wie sagt man jetzt? - gesamteröffnete Pfingstberg-Belvedere hat keinen Grund zur Klage. Seitdem nun auch der Ostturm und die Nordkolonnade den Besuchern zur Verfügung stehen, wurde, und zwar diese Woche, der 200.000 Gast begrüßt. Mit Sekt und Restaurantgutschein und Bildbänden und allem Piff und Paff. Und es war - eine Touristin! Es gibt sie also doch, die nimmermüden und neugierigen Potsdam-Liebhaber, und auch auf dem Pfingstberg. Den zu besteigen - er ist die höchste Erhebung Potsdams - bei dieser Hitze durchaus eine Herausforderung ist.
Aber die Sicht, die Aussicht! An klaren Tagen bis zum Alexanderplatz in Berlin! Es gibt aber auch Besucher, die über die Wendeltreppe einen Turm erklommen haben, sich aufrichten und erstaunt sind: Ja, wo ist denn Potsdam? Und richtig: Von oben alles grün, alles Landschaft. Gut, ein paar Kirchtürme gucken heraus und auch - leider - ein paar hohe Plattenbauten, aber sonst? Alles grün. Kein bißchen trocken von hier oben.
Und im östlichen Arkadengang hat sich eine Taube das wohl am schönsten gelegene Nest der Stadt eingerichtet. Wie sagen die Makler immer? Lage, Lage, Lage!
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22. Juli 2003
Wikinger im Fernsehen
Heute abend gibt es im RBB Brandenburg, bis vor kurzem noch ORB, eine Dokumentation über das Wikingerschiff Kari, das seit Mai diesen Jahres als Fähre über den Jungfernsee zur Sacrower Heilandskirche verkehrt:
RBB Brandenburg 20.15 Uhr Abendjournal Sommertour: Mit dem Traumschiff durch Brandenburg
An Bord des Schiffes gibt es jetzt übrigens auch Postkarten und Briefmarken zu kaufen. Der Pressesprecher der Königlich-Norwegischen Botschaft hat Anfang Juli einen norwegischen Postbriefkasten übergeben, der auf der Kari die Karten aufnimmt. (Die Besatzung vertraut dann den Inhalt jeden Abend der gelben Post an.)
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21. Juli 2003
In einer warmen Sommernacht
hatten sich wie immer nur ein paar Eingeweihte eingefunden. Sie waren mit dem Auto gekommen, mit dem Fahrrad wie wir, zu Fuß oder auf dem Wasserweg: Motoryachten, Segler und sogar Paddler hatten sich am späten Sonnabend an der Glienicker Brücke getroffen. Als wir die Treppe an der Brücke zum Wasser hinabgingen, um uns am Ufer einen guten Platz mit Aussicht zu suchen, hörten wir einen Mann seiner Begleiterin zuraunen: Kurz nach elf geht's los. Wir wählten einen Platz südlich der Brücke, mit Blick auf Schloß Babelsberg. Und kaum hatten wir mit baumelnden Beinen am Wasser Platz genommen und unsere Flasche Wein ausgepackt, flammte auch schon das bengalische Feuer auf.
Ein gespenstisches rotes Leuchten am Potsdamer und Berliner Fuß der Brücke; auf dem Segelboot, das in unserer Nähe festgemacht hat, seufzt eine Frauenstimme: Oooh! Und dann - das Knallen der Zündung rast über die Brücke - ein Feuerregen.
Jetzt hört man hinter dem Rauschen der Funken Motoren aufbrummen, und dann schießen die Dampfer unter der Brücke hindurch, die Menschen auf den Decks jubelnd und Beifall klatschend, und mir fällt vor Begeisterung fast der Weißwein ins Wasser.
Und dann ist es auch schon vorbei, die Eingeweihten machen sich auf den Heimweg und die Kolonnaden der Glienicker Brücke gehören im letzten Feuerwerksrauch wieder der Nacht und den Spinnen.
PS: Statt an der Glienicker Brücke zu sitzen, können Sie natürlich auf einem Dampfer die "Nächtlichen Schlösserimpressionen" mit Feuerwerk erleben. Wegen der hohen Nachfrage gibt es in diesem Sommer Zusatztermine!
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18. Juli 2003
Geburtstag vergessen
Potsdam ist tausend Jahre alt - diese Floskel gehört seit Jahren zum Standardprogramm aller Stadtführungen in Potsdam. 993 schenkte ein halbwüchsiger Kaiser seiner Tante zwei Ortschaften im Märkischen: Potztupimi und Geliti, von den Historikern als Potsdam und Geltow identifiziert.
2003 aber ist Potsdam also nicht 1000, sondern 1010 Jahre alt. Was für eine schöne Zahl! Aber wenn man erst einmal eine tausendjährige preußische Schönheit ist, zählen zehn Jahre mehr oder weniger wohl nicht...
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15. Juli 2003
Architekt des Königs
Nicht von Schinkel ist die Rede, sondern von einem seiner Schüler: Friedrich Ludwig Persius. Er baute am italienischen Traum von Friedrich Wilhelm IV., in dessen Auftrag entstanden unter anderem die Sacrower Heilandskirche und die Friedenskirche am Marlygarten im Park Sanssouci. Beides Kirchen übrigens, deren Kirchenschiffe tatsächlich im Wasser liegen.
1803 wurde Persius geboren, also ist 2003 Persiusjahr in Potsdam, und am kommenden Sonntag, den 20. Juli, wird die Ausstellung "Ludwig Persius - Architekt des Königs" im Schloß Babelsberg eröffnet. Dort werden über 120 im Original erhaltene Entwürfe, Pläne und Ansichtszeichnungen des Architekten gezeigt, aber auch Zeichnungen von Schinkel, Skizzen von Friedrich Wilhelm IV. sowie Briefe von Persius an Schinkel und Pückler, die deren enge Zusammenarbeit und Freundschaft dokumentieren.
Die Ausstellung ist vom 20. Juli bis 19. Oktober 2003, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 4 Euro ohne Führung.
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12. Juli 2003
Dann treffen wir uns morgen um eins auf dem neuen Markt.
Sagt's und legt auf. Mhm. Meint sie jetzt den neuen oder Neuen Markt?
Seit Anfang Mai diesen Jahres muß man sehr präzise sein, wenn man sich an einem Sonnabend auf dem - siehe oben - Markt verabredet. Es kommen nämlich zwei Plätze in Frage: Der Neue Markt, vielleicht der schönste Platz der Stadt, hinter dem Filmmuseum, oder der neue Markt, der immer am Sonnabend auf dem Platz vor dem Nauener Tor die Potsdamer von neun bis sechszehn (!) Uhr mit frischem Obst und Gemüse und vielen Spezialitäten versorgt.
Die Verständigung wird zusätzlich dadurch erschwert, daß der Platz vor dem Nauener Tor keinen eigenen Namen trägt. Die Friedrich-Ebert-Straße weitet sich hier einfach, bevor sie durch das Nauener Tor nach Norden aus der Stadt führt.
Es gibt Potsdamer, die zu diesem Platz Piazza sagen, was wohl ihre Sehnsucht nach einem italienischen Lebensgefühl beschreibt, während sie in den drei Cafés, der Bar oder den beiden italienischen Restaurants dort in der Sonne sitzen. Denn an der architektonischen Kulisse für dieses Dolce vita kann es nicht liegen: Man ist umgeben von roten Hollandhäusern, Barock und Gründerzeit, das ganze gekrönt vom neogotischen Nauener Tor in vornehmem Grau - kein Italien weit und breit.
Also rufe ich zurück: Entschuldige bitte, aber wo genau treffen wir uns?
Meine Kollegin lacht: Na, ich brauche auch noch Erdbeeren für den Kuchen - alles klar?
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8. Juli 2003
Gartenträume: Sissinghurst in Potsdam
Der englische Landschaftsgarten ist Vorbild für Gärten und Parks in aller Welt. Der vielleicht schönste, sicher aber berühmteste Garten gehörte Vita Sackville-West. Das Leben dieser ungewöhnlichen Frau war recht abenteuerlich - sie brauchte das Gärtnern zur Beruhigung der Seele.
Über das Leben von Vita Sackville-West erzählt die in Potsdam lebende Autorin Christa Hasselhorst am 12. Juli 2003 um 15.00 Uhr bei "Gartenträume" - dieser von Ira Schwarz gepflegten Oase mitten in der Stadt. Dazu gibt eine Floristin Hinweise, mit welchen Pflanzen man sich im eigenen Garten dem Paradies von Sissinghurst annähern kann.
Es gibt noch Karten (für 12 Euro) - jetzt aber schnell:
Telefon 0331-201 15 04
Fax 0331-817 04 48
Gartenträume in der Remise
Palais am Stadthaus
Friedrich-Ebert-Straße 37
Und übrigens: Schöne und aktuelle Fotos aus Sissinghurst finden Sie auf dieser Seite.
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7. Juli 2003
Das weiß ich nicht.
Warum heißen eigentlich alle Stadtführerinnen Susanne, fragte der Busfahrer gestern.
Das weiß ich nicht, sagte ich.
Ja, Stadtführer wissen eben auch nicht alles, nicht wahr?
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2. Juli 2003
Wikingerpost
Heinz Ney, sozusagen der Oberwikinger beim Verein eviga, dem das Wikingerschiff "Kari" gehört, informiert mich jetzt immer über Aktuelles zum Schiff. Das ist sehr nützlich, denn ich weiß aus der Statistik meiner Seite, daß es viele Suchanfragen zur Kari gibt, und ich gebe diese Informationen sehr gern an meine Besucher weiter.
Hiermit also allen kund und zu wissen: Wenn Sie im Juli mit der Kari fahren, heben Sie ihre Fährtickets auf! Am 12. August findet am Kai der Matrosenstation Kongsnaes eine Tombola statt, bei der eine Saisonkarte für die Fähre verlost wird.
Das nachgebaute Wikingerschiff hat jetzt übrigens auch einen Anleger im Internet: www.wikingerschiff.eviga.de. Und die Besucher des Brandenburgtages, der dieses Jahr am 6. September in Potsdam stattfindet, werden die Kari bei der Flottenparade zu sehen bekommen. Das gibt sicher ein schönes Bild.
Und noch eine kleine Korrektur zu den Fahrzeiten: Das Schiff fährt bis 19.00 Uhr, das bedeutet:
letzte Fahrt ab Kongsnaes 18.00 Uhr
letzte Fahrt ab Sacrow 18.30 Uhr
Bei Bedarf werde natürlich auch länger gefahren, steht in meiner Wikingerpost.
[link]
kontakt@visit-potsdam.de
mobil: 0177-8805780
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