preußischblau

Das Potsdamer Weblog preußischblau: Aktuelles aus Potsdam und Notizen einer Stadtführerin.


 

26. Juli 2010

Bin im Garten

Die Stadtführerin ist im Urlaub vom 27. Juli bis zum 10. August. Gartenarbeit wäre kein Urlaub? Doch, das ist sie. Besonders wenn der Garten drei Stunden von zu Hause entfernt ist und es nur ein kleines Radio gibt, das höchstens einmal pro Tag eingeschaltet wird. Kein Fernseher, kein Internet, und das Mobiltelefon wird auch meist ignoriert. Schöne grüne Grüße!

 

17. Juni 2010

Bekannt, auch aus Funk und Fernsehen

Ach Du bist das - ähm, ich meine: Sie sind das! Ja, ich bin das, wer sonst, denke ich mir, schließlich bin ich ja herbestellt, um eine Führung über die Schiffbauergasse zu machen. Allerdings kam die begeisterte Begrüßung von einer Frau, die mir tatsächlich bekannt vorkam; wie sich schnell herausstellte, frequentieren wir beide den selben Weinhändler in Potsdam. Nach einer Stunde mit fröhlichen Gästen waren wir dann endgültig und einvernehmlich beim "Du".

Noch ganz beschwingt laufe ich am Eingang vom Bio-Supermarkt, wo ich noch schnell etwas zum Abendessen zu erjagen gedenke, Frau Castellhoff in die Arme. Besser gesagt: Sabine Bach. Das kommt weniger überraschend, als es sich anhört, schließlich wird die tägliche Seifenoper "Hanna" des ZDF in Potsdam gedreht, auch wenn die Serie im Harz spielt. Da Sabine Bach offenbar ein viel fröhlicherer Mensch ist, als ihre Rolle vorgibt, und ich ja sowieso - fröhlich bin, meine ich - lächeln wir einander an. Guten Tag, Frau Castellhoff! sage ich. Das sagen bestimmt alle Leute zu Ihnen, oder? Natürlich, sagt Frau Bach, aber das wäre ja nun wirklich nicht so schlimm...

 

14. Mai 2010

Die Stadtführerin tanzt (nicht)

Als ich von der fabrik gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, eine tanzende Stadtführung zu machen, stürzte mich das in große Verwirrung. Genauer gesagt würde es sich um eine swingende Stadtführung handeln, während der Tanztage, Veronika vom HavelHop-Team würde sich freuen...

Nachdem ich klargestellt hatte, daß ich nicht meinen Namen tanzen würde, genauer gesagt, daß ich überhaupt nicht tanzen würde, entwickelten wir zusammen ein Konzept mit verschiedenen Tanzstationen und einem Zeitplan.

Und heute war Premiere in Potsdam: Swingende Stadtführung mit Live-Musik. Wir begannen auf der Freundschaftsinsel, der Weg führte dann von Station zu Station durch die Innenstadt bis zum Nauener Tor. Überall gab es ein paar Geschichten über Potsdam von mir, danach Musik vom Mückenheimer Trio und dazu tanzende Teilnehmer der Stadtführung. Und trotz des eher kühlen Wetters immer mehr Zaungäste: Passanten blieben stehen, wippten mit und - grinsten. Das war das Auffälligste für mich: Alle, die stehenblieben, ob Potsdamer oder Touristen, grinsten breit von Ohr zu Ohr. Und nebenbei war das auch noch eine schöne Werbung für die Tanztage...

Das war schön, das könnten wir doch wieder machen, oder?

 

1. April 2010

Ein "Praezi-Blitz" für das Potsdam Museum

Ich sah das Schild auf einer meiner Fahrradtouren zum Markt am Haus Bassinplatz 11: Ausverkauf! Himmel, dachte ich, Liebenow macht zu! Dieses schöne alte Geschäft, die letzte Gartenbedarfshandlung in Potsdam - vorbei. Und weil ich ein neugieriger Mensch und ja auch im Förderverein des Potsdam Museums Mitglied bin, betrat ich den Laden im Auch-Gewerbegeschichte-muß-gesichert-werden-Modus.

Und tatsächlich zögerte der Besitzer keinen Moment, dem Museum seine guterhaltene und funktionstüchtige Praezi-Blitz-Maschine zu überlassen: "Zur Abwägung von pulverförmigen und körnigen Produkten".

Wolfgang Liebenow betreibt mit seiner Frau die "Fachsamenhandlung" in der dritten Generation; vor ihm haben sein Vater Helmut (ab 1945) und sein Großvater Erich das Geschäft geführt. Im 102. Jahr nach der Eröffnung am 14. Oktober 1908 wird der Geschäftsbetrieb nunmehr eingestellt.

 

25. März 2010

Spatenstich für Landtagsneubau

Heute war es nun endlich soweit: Nach einigen (immer zu vielen!) Reden wurde die Genehmigung zum Bauen übergeben und dann die Spaten in die Erde gestochen. 2013 soll dann der neue Landtag Brandenburgs fertig sein - groß genug übrigens für Parlamentarier eines in Zukunft vielleicht fusionierten gemeinsamen Landes Brandenburg-Berlin. Oder Berlin-Brandenburg?

Und rechts ist die Baugrube. Das schon seit einiger Zeit in Potsdam "Loch" genannte Areal wird erst einmal noch tiefer - für die Tiefgarage des Landtages. Auf dem Alten Markt wurde übrigens eine rote Infobox aufgestellt, die von ihrem Dach aus einen guten Blick auf das Baugeschehen bietet. Dort oben werde ich dann jetzt wohl meine Innenstadt-Führungen starten.

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11. März 2010

Der Winter. Oder: Wie man Wissenschaftler zum Schlottern bringt

Ich möchte bitte, daß der Winter jetzt aufhört. Sofort. Ich fürchte nämlich, daß ich mittlerweile als Stadtführerin gelte, die ihre Gäste foltert. Dabei kann ich nichts für das Wetter. Und ich kann auch nichts dafür, daß - ja, Sie ahnen schon, was jetzt wieder kommt - die Leute sich nicht ordentlich anziehen. Internationale Wissenschaftler sind leider besonders anfällig für diese Zivilisationskrankheit: Nicht mehr zu wissen, was adäquate Kleidung bedeutet.

Und ich sage heute noch, gleich am Anfang, als ich sie im Hotel abhole: Sind Sie warm genug angezogen? Wollen Sie sich nicht noch einen Pullover mehr holen? Oder eine Mütze? Sie da, haben Sie denn keinen Schal? Och. Nein, das geht schon. Nein nein, nicht so schlimm. Mütze - nein, ich brauche keine Mütze.

Ich weiß schon, wie das dann geht. Ich frage noch genau einmal nach, fühle mich plötzlich wie die Mutter des ungefähr sechzigjährigen japanischen Geologen, der direkt vor mir steht, und beschließe an diesem Punkt abrupt, meinen Gästen ihren Willen zu lassen. Das sind erwachsene Leute, sie wissen, was sie tun, das sind kluge Leute, das sind Wissenschaftler...

Eine halbe Stunde später geht das große Frieren los. Ich kann es in ihren Augen sehen, obwohl sie das Zittern noch unterdrücken. Außerdem lauschen sie tatsächlich aufmerksam - über mangelnde Disziplin und Willen kann man sich bei Wissenschaftlern wirklich nicht beklagen. Nach anderthalb Stunden hat der Winter gesiegt und meine Gäste schlottern. Sie gucken mich immer noch aufmerksam an, aber ich habe den deutlichen Eindruck, daß es ihnen an diesem Punkt mehr um meine warme Kaninchenfellmütze mit den Ohrenklappen geht. Oder um meinen langen Mantel. Die dicken Handschuhe. Den Schal, in den ich mich heute fast eingenäht habe...

Der Wirt des Restaurants, in das ich sie jetzt im Galopp begleite, muß doch denken, ich bin die Stadtführerin, die ihre Gäste foltert! Ich will Frühling!

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12. Februar 2010

Aufwärmen? Warum?

Wenn es um winterliche Verhältnisse geht, sind Schweden hart in Nehmen. Nordschweden allerdings sind die Härtesten: Sie finden minus fünf Grad und dreißig Zentimeter Schnee eher kuschelig.

Also laufen wir ohne Beschwerden von der Kolonie Alexandrowka, die so tief eingeschneit nun wirklich wie ein russisches Klischee aussieht, über den Kapellenberg (Berg? Das soll ein Berg sein?) weiter über den Pfingstberg (Also, mal ehrlich: Wieso nennen Sie denn sowas Berg?), durch die Verbotene Stadt und den Neuen Garten zum Cecilienhof. Dort drin wäre es bestimmt schön warm. Ähm, ja, wieso? Na - all die Schornsteine!

Ich liefere meine Gäste in der Meierei am Jungfernsee ab. Ich denke, jetzt könnten Sie ja vielleicht doch einen Platz zum Aufwärmen brauchen? Ach, kann man hier jetzt gar nicht draußen sitzen?

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1. Februar 2010

Die Stadtführerin, mümmelnd:

Dies hier ist ein Hinweis für alle Neupotsdamer! Naja, obwohl, auch, wenn Sie nicht in der Stadt leben, sondern sie nur besuchen, könnte dies eventuell von Interesse für Sie sein:

Denn schwer zu transportieren ist es ja nicht, das Bäckerknäcke von Bäcker Braune. Kommt in kleinen Tütchen zu jeweils etwa 100 Gramm. Und in zwei Varianten. In Scheiben oder in kleinen, rechteckigen Stücken. In anderen Ländern oder an anderen Einkaufsorten heißt so etwas dann Cracker o.ä. Läßt sich so wegessen zwischendurch. Oder mit Käse belegen. Oder mit Lachs und Meerettich und Dill oder Kaviar. Wie auch immer.

Ich mag normalerweise nicht so viel Krach in meinem Kopf beim Essen. Und ich habe schon sehr sehr viele Cracker mit Käse gegessen, die meisten waren arg fade. Aber die hier, also, dieses Bäckerknäcke von der ältesten Bäckerei Potsdams, das ist doch wirklich das köstlichste -

das sei Werbung? Ja. Aber Werbung, von der ich persönlich gar nichts habe. Manchmal kommt es sogar vor, daß ich Bäckerknäcke kaufen will und es aus ist! Muß erst neu gebacken werden. Wie das so ist mit frischen, handgemachten Lebensmitteln...

Na los, gehen Sie hin und kaufen Sie für unfaßbar kleines Geld ein Stück im Kopf krachmachendes Potsdam. Es könnte Ihnen schlechter gehen!

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26. Januar 2010

Kaltes Neues Jahr!

Mit diesem Bild, daß ich heute vom Heiligen See mit dem Marmorpalais gemacht habe, möchte ich einen ehemaligen Gast von mir grüßen und auch auf diesem Weg noch einmal herzlich zum Geburtstag gratulieren.

Vor genau drei Jahren hatte ich ihn und seine Frau an der Glienicker Brücke getroffen. Die Stadtführung war sein Geburtstagsgeschenk. Es war genauso kalt und sonnig wie heute. Wir spazierten von der Brücke bis zum Cecilienhof, und weil die Meierei am Jungfernsee geschlossen war, stapften wir noch weiter bis zum Restaurant am Pfingstberg, wo wir noch einen Kaffee tranken.

Ich erinnere mich noch sehr gut an diesen wunderbaren Januartag - nach dem Kaffee ließ ich die beiden im Restaurant zurück und wanderte über den Pfingstberg und durch den Neuen Garten zurück nach Hause. Das war nicht der kürzeste, aber der beste Weg.

Wir hatten zwei besonders schöne Stunden zusammen: Der hochgewachsene Herr, dem wegen der Kälte immer die Tränen über das Gesicht liefen, und seine dick eingemummelte Frau waren so neugierig auf Potsdam und seine Geschichte, wie man nur sein kann, wenn man seit einem halben Jahr in dieser oft so unterschätzten Stadt lebt.

Es hat dann noch eine weitere Stadtführung gegeben, im Sommer des Jahres 2007; dieses Mal war die hochnoble Mama (Preußenkennerin!) meiner Kundin dabei. Als wir uns, nach einem langen Spaziergang durch den Park Sanssouci auf dem Luisenplatz trennten, wurde ich etwas überrumpelt mit einer Sympathiebekundung, die dann doch etwas - na, sagen wir mal - ungewöhnlich war. Auch für zufriedene Gäste...

Warum ich dies alles erzähle? Potsdam - auch, wenn es sibirisch eisig ist - hat die Kraft, Menschen zusammenzubringen, die sich sonst schwerlich getroffen hätten. Das ist der unschätzbare Vorteil einer Stadt, die im Laufe des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts große Teile ihrer Bevölkerung verloren, aber neue dazugewonnen hat.

Aus meinen Gäste vom 26. Januar 2007 sind sehr gute persönliche Freunde geworden. Dies ist ein Geschenk, und es ist selten. Doch aus meinen Gästen Freunde der Stadt Potsdam zu machen, das ist immer mein Bemühen. In diesem Sinne: Ihnen allen willkommen in Potsdam im Jahr 2010!

Und herzliche Glückwünsche, alles Gute, Kraft und Gesundheit für Dich, Andreas!

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24. Dezember 2009

Frohe Weihnachten und eine Abwesenheitsnotiz

Ihnen allen frohe und gesegnete Weihnachten und einen guten Start in das Neue Jahr!

Die Stadtführerin macht Urlaub und ist außer Landes, ja sogar auf einem anderen Kontinent. Mein Jahreswechsel wird sechs Stunden nach dem Ihren in Deutschland stattfinden, so verlängert sich also mein Jahr 2009 um ein paar Stündchen.

Am 18. Januar bin ich zurück und nehme gern Ihre Anfragen für Stadtführungen 2010 entgegen. Seltsam ist das, an diese Schreibweise muß ich mich erst gewöhnen: 2010, 2010, 2010... Praktischerweise lautet meine Festnetz-Telefonnummer 2010607, Vorwahl Potsdam 0331.

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2. Dezember 2009

Potsdamer Geschichte aus der Sicht der Stasi

Stasiland Brandenburg - dieses Wort geistert herum. Warum das so ist, weiß jeder von Ihnen aus den Medienberichten über die rot-rote Koalition in Brandenburg und die Enthüllungen über ehemalige Stasi-Spitzel in der Linkspartei. So weit, so schlecht.

Mir fiel dabei dieser Tage ein, daß ich hier einmal einen Literaturtipp geben könnte, der für Potsdam-Besucher, die sich für das Thema interessieren, nützlich wäre:

Mit tschekistischem Gruß - Berichte der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Potsdam im Zeitraum Juli 1988 bis November 1989. Hrsg.: Reinhard Meinel/Thomas Wernicke, Verlag Edition Babelturm, Potsdam 1990.

In dieser Publikation, die meines Wissens nach nur noch antiquarisch (auch online!) zu erhalten ist, finden sich also keine Bespitzelungsberichte über einzelne Personen, sondern Berichte bzw. "Vorgangsakten" der Stasi über "Vorkommnisse" in Potsdam aus der letzten Zeit der DDR. Unter anderem z.B. auch ein Bericht über das erste Pfingstbergfest im Juni 1989, das u.a. auch von Matthias Platzeck, dem heutigen Ministerpräsidenten Brandenburgs mit initiiert und vorbereitet wurde.

Man lernt beim Lesen viel über die Sichtweise der Staatssicherheit, was sie für gefährlich hielt, wie stark diese Organisation überall präsent war und mit welch zum Teil peinlicher Akribie z.B. die Kleidung der Protagonisten protokolliert wurde. Und ja, es wird einem öfter übel dabei...

In der Danksagung der Herausgeber am Anfang des Buches finden Sie auch meinen Namen. Ich habe nämlich im Frühjahr 1990 die Texterfassung dieser Stasi-Vorgangsakten erledigt. Ich lief jeden Tag nach der Arbeit und an zwei Wochenenden zu dem kleinen Verlag, und schrieb die Stasi-Akten ab. Mein Honorar war zwar eher symbolisch, aber das störte mich nicht, ich wollte helfen, dieses Buch herauszubringen.

Was mich allerdings sehr bei der Arbeit störte, war dieser Wechsel aus Übelkeit und Wut, dem ich beim Schreiben ständig ausgesetzt war. Bei einigen der in den Akten beschriebenen "Vorgänge" wie bei dem erwähnten Pfingstbergfest war ich selbst dabei; und hier fand sich nun in übelstem Stasi-Deutsch jedes kleine Detail wieder.

Ich kämpfte mit diesen Texten und mit meinen Gefühlen, und weil die Mitarbeiter des Hauses das merkten, wurde ich von ihnen so liebevoll wie möglich betreut: Ich bekam so viel Kaffee wie nötig war, um meine stundenlange Konzentration am Leben zu halten, es gab Kekse und Schmalzbrote und Schokolade und jede Menge aufmunternde Worte. Manchmal mußte ich den Raum verlassen und platzte mit meiner Wut in gerade laufende Konferenzen hinein. Da aber alle wußten, wie es mir ging mit meiner Arbeit, ließen sie sofort alles stehen und liegen, um mich zu trösten. Wir fanden sogar zu einer Abmachung, daß ich jederzeit von jedem Anwesenden eine sofortige Umarmung einfordern konnte...

Lesen Sie dieses Buch, und Sie werden verstehen, warum es auch im Stasiland Brandenburg Leute gibt, denen es heute noch schlecht wird, wenn wieder einmal ein gewählter Volksvertreter als früherer Stasi-Spitzel enttarnt wird. Und ja: Ich bin nicht nachtragend, aber ich vergesse nichts.

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10. November 2009

Glienicker Brücke - 20 Jahre danach


Wie ich das erste Mal über die Glienicker Brücke gelaufen bin, habe ich hier vor einigen Jahren schon einmal beschrieben (Link, etwas nach unten scrollen). Und da dies ein einmaliges Erlebnis war und damit eben nicht wiederholbar ist, bin ich gestern abend ganz anders von Potsdam nach Berlin gegangen. Zusammen mit den erwarteten tausenden Menschen, gut versorgt von diversen Wurst- und Getränkeständen, versorgt eben auch mit einem Programm auf einer riesigen Leinwand, die mitten auf der Brücke stand, versorgt mit Licht und Feuerwerk und Politikergrußworten.

Schön war's, und ein bißchen doof war's auch; die Erinnerung bleibt unantastbar und das Glück über die Grenzöffnung sowieso.

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14. Oktober 2009

Stadtführung mit Folgen

Herzlichen Glückwunsch! Sagen Sie, mögen Sie Wein? Rot- oder Weißwein? Das war die Reaktion meiner Gäste an einem Septembertag, als ich ihnen sagte, daß ich Geburtstag hätte. Wir schicken Ihnen ein schönes Fläschchen, ja? Unseren guten Spätburgunder!

Und siehe da: Heute kommt ein Paket! Aus einem sind gleich zwei schöne Fläschchen Spätburgunder geworden, anbei ein handgeschriebener Gruß, wie frau ihn heutzutage nur noch von Männern im besten Alter erwarten darf. Das wäre ja nicht nötig gewesen; aber es ist doch ganz wunderbar - vielen herzlichen Dank nach Esslingen!

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17. September 2009

Ein Gespräch an der Glienicker Brücke über die abwesenden Herren Kulka und Knobelsdorff

Peter Kulka baut den neuen Landtag für Brandenburg in Potsdam, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ist lange tot und ich stehe an der Glienicker Brücke und warte auf meine Gäste aus Leipzig. Was die beiden Architekten damit zu tun haben? Naja, meine Gäste verspäten sich und ich habe Zeit und beginne mich ein bißchen zu langweilen und just in diesem Moment kommt ein Potsdamer Architekt aus meiner Nachbarschaft herangeradelt.

Er hält an und ist bereit, sich mit mir die Zeit zu vertreiben; ich nutze die Gelegenheit, ihn über sein Urteil über den Landtagsneubau zu befragen. Besser gesagt bitte ich ihn, mir zu erklären, was sein Kollege Kulka sich wohl dabei gedacht hat. Mein Problem mit dessen Entwurf ist nämlich, daß ich ihn nicht verstehe. Das ist ja keine Schande, schließlich habe ich nicht Architektur studiert und fühle mich nicht berufen, alles zu verstehen oder zu allem eine Meinung zu haben.

Aber erklären müßte ich es schon können, all meinen Gästen nämlich, mit denen ich in Zukunft die größte Baustelle der Stadt in Augenschein nehmen werde. Und darum quetsche ich jetzt den radelnden Architekten aus. Der freundliche Mann ist um Rat und Aufklärung nicht verlegen, nennt mir Beispiele für neue Bauten, die ebenfalls eine Mischung aus historischer und moderner Architektur sind und sagt dabei ganz oft: Ja, warum denn nicht?! Warum soll das nicht gehen?

In den fünfzehn Minuten, die wir haben, bevor der Bus aus Leipzig neben uns hält, verstehe ich erstaunlich viel und erstaunlich leicht, bin sehr dankbar für die nette Belehrung und optimistisch, die gewonnenen Erkenntnisse einsetzen zu können. Ich sage danke und wünsche einen schönen Tag, der Architekt sagt: Viel Spaß! Und meine Gäste winken aus dem Bus.

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