Das Potsdamer Geheimnis von Lotte Laserstein

Heute auf dem Markt am Nauener Tor, am Fischstand, enthüllte sich ein Potsdamer Geheimnis. So, wie sich Geheimnisse gern enthüllen, nämlich ganz unspektakulär, nebenbei, während die letzten Einkäufe für das Heilig-Abend-Essen erledigt werden: Ich treffe eine Bekannte, sie fragt mich, ob sie bei mir im Frühling eine Stadtführung buchen könne, aber es wäre schon schön, wenn es etwas Besonderes wäre – wir verabreden ein Thema, sie ist begeistert, und im Anschluß, sagt sie, sitzen wir dann bei mir zusammen im Turm und essen etwas Schönes. Ja, fein, sag ich, laß uns telefonieren!

Ach, apropos Turm, sagt sie, bei der Gelegenheit: Weißt Du, da hat neulich ein Mann bei uns geklingelt, ein Professor, hab’ jetzt ganz vergessen, von welcher Uni. Der war auf der Suche nach dem Ort, von dem aus so ein Gemälde mit einer Ansicht von Potsdam entstanden ist… Ich so: Wie bitte? Etwa das Bild von Lotte Laserstein? Sie so: Ja, stimmt genau, das war der Name, Laserstein. Wie hieß das Bild noch gleich? Ich so: “Abend über Potsdam”. Ja, richtig, sagt sie: Er war auf der Suche, und dann hat er uns gefunden. Er ist überzeugt, daß dieses Bild nur von unserem Turm aus gemalt worden sein kann.

Am Fischwagen auf dem Markt falle ich fast um vor Begeisterung über dieses unerwartete Weihnachtsgeschenk! Also ist das Bild tatsächlich in dem Areal gemalt worden, über das ich in meinem letzten Beitrag zu diesem Thema gemutmaßt hatte, und zwar genauer: Gregor-Mendel-Straße. Und nein, die Hausnummer werde ich hier nicht veröffentlichen. Aber falls Sie sich dafür interessieren, wäre ich bereit, Sie Ihnen mitzuteilen, wenn Sie mich direkt ansprechen. Und mir versichern, daß Sie nicht am nächsten Tag bei meiner Bekannten klingeln!

Nachtrag 30.12.2011: Ein paar Tage später erzähle ich einem Freund von der Geschichte. Und er sagt: Wußtest Du eigentlich, daß ich weiß, wer einer der Männer auf dem Bild ist? Er war der Ehemann einer Frau, die ich in diesem Jahr kennengelernt habe.

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Perspektivwechsel

In der FAZ erschien dieser Tage ein Artikel über Potsdam, in welchem die Autorin, die hier lebt, beschreibt, wie sie für einen Tag die Perspektive wechselt und als Touristin durch unsere Stadt bummelt:

“Vielleicht ist es wie so oft im Leben: Kaum hat man sich an etwas gewöhnt, nimmt man es für selbstverständlich. Es ist an der Zeit, meiner verblassten Liebe eine neue Chance zu geben, bevor sie gänzlich den Bach hinuntergeht…”

Das – seien Sie ehrlich! – oft ganz freiwillig gewählte Gehetze durch den Alltag macht einen schnell blind für die Reize des Ortes, an dem man lebt. Stadtführer sollten dagegen gefeit sein, ich bin es jedenfalls, einfach, weil Potsdam mein “Büro” ist, mein Arbeitsplatz, mein Material, die Quelle, aus der ich schöpfe. Also halte ich die Augen offen und versuche, auch meinen Gästen die Augen zu öffnen, egal, ob sie als Touristen Potsdam besuchen oder hier leben.

Also, gehen Sie los und entdecken Sie Ihre Stadt neu – zwischen den Feiertagen haben Sie genug Zeit dafür. Und wenn das nicht reicht, dann buchen Sie sich einen Stadtführer: Wir bringen die Steine zum Sprechen und blättern für Sie die tieferen Schichten der Geschichte der Stadt auf. Und wenn man erst einmal weiß, welche Geschichten sich hinter den Fassaden verbergen, dann erlebt man wirkliche Verbundenheit mit einem Ort.

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Potsdamer Winterpost von Ralph Witte

Vor ein paar Tagen fiel mir schon sein Kalender auf, ich sah ihn in einem Ladengeschäft am Bassinplatz. Heute nun begegnete ich dem Künstler an einem Stand auf dem Markt am Nauener Tor, wo er nicht nur Kalender, sondern auch Post- und Klappkarten verkaufte; u.a. auch ein Set mit “Potsdamer Winterpost”:

Ralph Witte zeichnet ganz wunderbare, zarte und poetische Illustrationen der Stadt. Kauft Kunst! Und verschickt Potsdamer Winterpost zu Weihnachten!

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Stadtgeschichte und Glühwein

Diese bunte Truppe habe ich gestern nachmittag durch die Innenstadt geführt. Und bei allem Interesse für die Potsdamer Geschichte besonders des 20. Jahrhunderts war die größte und wichtigste Attraktion ein Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt in der Brandenburger Straße. Begleitet natürlich von tiefschürfenden Gesprächen über die Unterschiede zwischen weißem und rotem Glühwein, die wichtigsten Gewürze und die Qualitätsunterschiede zwischen der selbstgemachten und der Weihnachtsmarktversion. Auch zu einer wörtlichen Übersetzung haben wir gefunden: Glow Wine.

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Kräne im Nebel


Fünf Kräne drehen sich im Nebel über dem wachsenden Landtag am Alten Markt. Und ich habe immer öfter den Eindruck, ich bin die einzige in Potsdam, die nicht vom “Wiederaufbau des Stadtschlosses” spricht, sondern vom Landtagsneubau. Wiederaufbau würde für mich Rekonstruktion bedeuten, innen wie außen, und so, wie man es früher gemacht hat. Das hier ist aber ein Neubau in Beton, der eine historisierende Fassade, keine historisch-rekonstruierte Fassade erhält.

Wie auch immer. Ich bin sehr neugierig, wie die Potsdamer das Gebäude dann nennen, wenn es fertig ist. Ob die Alltagssprache zu “Stadtschloß” oder “Landtag” tendiert: Wir treffen uns am …?

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In der Warteschleife mit dem Kaiser

Heute rief ich bei der PRO POTSDAM an und landete in deren Warteschleife. Die nette Stimme dort, die mich um einen Moment Geduld bat, ließ mich zusammenzucken. Nicht, weil es keine wirklich sehr angenehme Stimme gewesen wäre, sondern weil diese Stimme einem Freund von mir gehört, dem Schauspieler und Synchronsprecher Nicolas Böll.

Und ja, das ist schon merkwürdig, den Freund und römischen Kaiser im Ohr zu haben, während ich darauf warte, durchgestellt zu werden. Potsdam ist ein Dorf.

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Hinrichtung auf dem Neuen Markt

Ich erzähle meinen Gästen auf dem Neuen Markt immer, daß der Platz Glück gehabt habe, weil ein Bombentreffer nur eines der Häuser zerstört hatte. Aber daß es dennoch erstaunlich ist, dieses Gebäudeensemble heute so vollständig bewundern zu können, weil der Neue Markt mehr schlecht als recht durch die DDR-Zeit gekommen ist. Alles war so heruntergekommen, daß die DEFA hier z.B. historische Aufnahmen für Filme machen konnte, die nun wirklich keine Hochglanzfassaden vertragen hätten.

Die beiden Fotos hier illustrieren, was ich meine. Sie stammen von Dreharbeiten der DEFA für einen DDR-Fernsehfilm im Jahr 1980. Der Film hieß “Chirurgus” und es ging um die Anfänge der Charité in Berlin; erzählt wird die Geschichte vom Aufstieg des Barbiergesellen Schroth zum Chirurg. Beide Bilder sind während einer Drehpause entstanden – historisch gekleidete Kleindarsteller und Leute vom Filmstab stehen nebeneinander. Oben ist der Kutschstall zu sehen, der zu dieser Zeit als Großhandelslager für Obst und Gemüse diente. Es gibt bis heute Potsdamer, die sich an den Geruch nach gammeligen Kartoffeln zu dieser Zeit auf dem Neuen Markt erinnern können… Für den Film wurde hier eine Hinrichtungsszene gedreht, wie man unschwer erkennen kann.

Das untenstehende Bild ist sozusagen der “Gegenschuß”, man sieht im Hintergrund rechts am Ende des verbliebenen Stummels der Schwertfegerstraße den Plattenbau der Wasserwirtschaft, der mittlerweile abgerissen ist. Beide Fotos sind aus dem Bestand meiner Mutter, die damals als Filmarchitektin bei diesem Dreh dabei war.
Filmfotograf: Joachim Zillmer
Produktion: Uwe Klimeck, Regie: Peter Deutsch, Szenarium: Hans Pfeiffer, Kamera: Eberhard Borkmann, Szenenbild: Erich Krüllke, Filmarchitekten: Eberhard Kaatz, Christa Schulze. Darsteller: Dieter Mann, Gerd Blahuschek, Horst Schulze, Katrin Saß u.a.

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“Zitternd vor Ungeduld” – des Königs Lust

Das kommende Jahr, in dem in Potsdam der 300. Geburtstag von Friedrich II. mit zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen gefeiert werden wird, kündigt sich schon jetzt mit einem gestiegenen Interesse an seiner Person an:

In der “Zeit” findet sich ein Artikel zu einem bisher verschollen geglaubten Gedicht aus des großen Königs höchstselbiger Feder: “Die Lust”.

Und ehe Sie nun meine Website in stürmischer Neugier verlassen und meinem Link folgen, beachten Sie bitte, daß Sie dort eine Interlinearübersetzung des im Original französisch geschriebenen Gedichtes erwartet, keine Nachdichtung! Darum lasten Sie es bitte nicht dem König an, wenn sich dort auch eher prosaisch klingende Sätze wie dieser finden:

“Doch die Freude endet; am Morgen ist alles vorbei.”
Ach ja…

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Mit dem Bus durch Potsdam

Heute während der Busrundfahrt kam doch tatsächlich leichter Unmut auf: Warum denn der Bus nicht mal hier anhalten könne, damit man ein Foto machen kann. Ja, direkt hier bitte. Wenn man das Neue Palais schon so schlecht sieht, dann wolle man wenigstens diesen leidlichen Ausschnitt festhalten!

Anhalten? Mitten in der Kurve auf einer engen Strecke, hinter uns fahren schon drei weitere Busse im Schritt; und mit welchen Worten der Potsdamer Autofahrer flucht, der jetzt gerade hinter vier kriechenden Bussen festhängt, kann ich mir denken – das ist nicht jugendfrei.

Ihr lieben Leute, Ihr müßt jetzt ganz tapfer sein: Potsdam ist nicht für Busse gebaut worden (und übrigens auch nicht für Autos!), in Potsdam stehen die Sehenswürdigkeiten (ja, es gibt hier mehr als das Schloß Sanssouci!) nicht preußisch-stramm schön an der Straßenkante aufgereiht und warten darauf, aus dem Bus heraus fotografiert zu werden. Hinzu kommt, daß die Potsdamer Bäume es doch tatsächlich im Sommer wagen, Blätter zu tragen und damit die großartige Architektur zu verdecken. Straßen sind eng zugeparkt, eilige Lieferanten stehen in der zweiten Reihe, hinzu kommen diverse Baustellen – es ist schlimm! Und bei Ihnen zuhause natürlich alles ganz anders, ist ja klar.

Dabei können wir, die wir in den Bussen sitzen, sehr froh sein, daß sich noch kein genervter Anwohner völlig busuntauglicher Straßen aus lauter Verzweiflung auf die Fahrbahn gelegt hat, um auf den Lärm und die Erschütterungen hinzuweisen, denen er und sein Haus täglich ausgesetzt ist. Also sollen wir zufrieden sein…

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Freude an der Arbeit

Einer meiner Gäste heute: Bei Ihnen merkt man, daß Sie mit Freude bei der Arbeit sind!
Ich darauf: Achso? Woher wollen Sie denn wissen, daß ich das nicht nur vortäusche?
Der Mann guckt mich direkt an und grinst: Das kann man nicht vortäuschen!
Ich fühle mich ertappt…

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