In der FAZ erschien dieser Tage ein Artikel über Potsdam, in welchem die Autorin, die hier lebt, beschreibt, wie sie für einen Tag die Perspektive wechselt und als Touristin durch unsere Stadt bummelt:
“Vielleicht ist es wie so oft im Leben: Kaum hat man sich an etwas gewöhnt, nimmt man es für selbstverständlich. Es ist an der Zeit, meiner verblassten Liebe eine neue Chance zu geben, bevor sie gänzlich den Bach hinuntergeht…”
Das – seien Sie ehrlich! – oft ganz freiwillig gewählte Gehetze durch den Alltag macht einen schnell blind für die Reize des Ortes, an dem man lebt. Stadtführer sollten dagegen gefeit sein, ich bin es jedenfalls, einfach, weil Potsdam mein “Büro” ist, mein Arbeitsplatz, mein Material, die Quelle, aus der ich schöpfe. Also halte ich die Augen offen und versuche, auch meinen Gästen die Augen zu öffnen, egal, ob sie als Touristen Potsdam besuchen oder hier leben.
Also, gehen Sie los und entdecken Sie Ihre Stadt neu – zwischen den Feiertagen haben Sie genug Zeit dafür. Und wenn das nicht reicht, dann buchen Sie sich einen Stadtführer: Wir bringen die Steine zum Sprechen und blättern für Sie die tieferen Schichten der Geschichte der Stadt auf. Und wenn man erst einmal weiß, welche Geschichten sich hinter den Fassaden verbergen, dann erlebt man wirkliche Verbundenheit mit einem Ort.




Das Potsdamer Geheimnis von Lotte Laserstein
Heute auf dem Markt am Nauener Tor, am Fischstand, enthüllte sich ein Potsdamer Geheimnis. So, wie sich Geheimnisse gern enthüllen, nämlich ganz unspektakulär, nebenbei, während die letzten Einkäufe für das Heilig-Abend-Essen erledigt werden: Ich treffe eine Bekannte, sie fragt mich, ob sie bei mir im Frühling eine Stadtführung buchen könne, aber es wäre schon schön, wenn es etwas Besonderes wäre – wir verabreden ein Thema, sie ist begeistert, und im Anschluß, sagt sie, sitzen wir dann bei mir zusammen im Turm und essen etwas Schönes. Ja, fein, sag ich, laß uns telefonieren!
Ach, apropos Turm, sagt sie, bei der Gelegenheit: Weißt Du, da hat neulich ein Mann bei uns geklingelt, ein Professor, hab’ jetzt ganz vergessen, von welcher Uni. Der war auf der Suche nach dem Ort, von dem aus so ein Gemälde mit einer Ansicht von Potsdam entstanden ist… Ich so: Wie bitte? Etwa das Bild von Lotte Laserstein? Sie so: Ja, stimmt genau, das war der Name, Laserstein. Wie hieß das Bild noch gleich? Ich so: “Abend über Potsdam”. Ja, richtig, sagt sie: Er war auf der Suche, und dann hat er uns gefunden. Er ist überzeugt, daß dieses Bild nur von unserem Turm aus gemalt worden sein kann.
Am Fischwagen auf dem Markt falle ich fast um vor Begeisterung über dieses unerwartete Weihnachtsgeschenk! Also ist das Bild tatsächlich in dem Areal gemalt worden, über das ich in meinem letzten Beitrag zu diesem Thema gemutmaßt hatte, und zwar genauer: Gregor-Mendel-Straße. Und nein, die Hausnummer werde ich hier nicht veröffentlichen. Aber falls Sie sich dafür interessieren, wäre ich bereit, Sie Ihnen mitzuteilen, wenn Sie mich direkt ansprechen. Und mir versichern, daß Sie nicht am nächsten Tag bei meiner Bekannten klingeln!
Nachtrag 30.12.2011: Ein paar Tage später erzähle ich einem Freund von der Geschichte. Und er sagt: Wußtest Du eigentlich, daß ich weiß, wer einer der Männer auf dem Bild ist? Er war der Ehemann einer Frau, die ich in diesem Jahr kennengelernt habe.