Der letzte Dissident auf der Glienicker Brücke

Während der heutigen Stadtrundfahrt mit Parlamentariern aus Adscharien, einer Autonomen Republik Georgiens, besuchten wir auch die Glienicker Brücke. Dabei erzählte ich u.a. von dem letzten “Agenten-Austausch”, der 1986 auf der Brücke stattgefunden hatte.

Teil dieses Austausches war auch ein sowjetischer Bürgerrechtler und Dissident, der die Brücke zuerst überqueren durfte. Sein Name war Anatoli Schtscharanski, heute Natan Scharanski.

Kaum hatte ich davon erzählt, zückte ein Georgier sein Smartphone, durchsuchte kurz seine Dateien und zeigte dann stolz ein Foto von Scharanski – er hätte ihn vor wenigen Jahren in Israel getroffen! Die Welt ist klein…

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Die Mauer von zwei Seiten

Nächsten Dienstag, am 12. September, darf ich mit dem Maler Peter Rohn und dem Fotografen Manfred Hamm über die Grenzanlagen inmitten der Potsdam-Berliner Parklandschaft sprechen. Die Veranstaltung im Filmmuseum beginnt um 18 Uhr mit dem Film “Gärtner führen keine Kriege”, und nach einer kleinen Pause erinnern wir uns dann im Gespräch daran, welche Zerstörungen die Mauer in einer der schönsten Kulturlandschaften Europas angerichtet hat.

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Ich bin nur König, wenn ich frei bin

“Je ne suis roi que lorsque je suis libre.”

Friedrich II. vor der Schlacht von Mollwitz

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Sommerfrische Abwesenheitsnotiz

Die nächsten vierzehn Tage bin ich in der Sommerfrische zum “rustizieren”, wie man früher – also ganz früher – gesagt hat. Und da Sie ja auch alle im Urlaub sind, um Geist und Körper zu erfrischen, schreiben Sie mir keine Emails oder rufen mich an, oder doch? Na, sicher nicht…

Am 15. August bin ich wieder in Potsdam.

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“Harmonischer” Abgang

Nach einer zweistündigen Schiffstour mit der “Harmonie” aus Ketzin durch die wundervolle Potsdamer Flußlandschaft bei strahlendem Sonnenschein wollte uns der Wettergott wohl daran erinnern, wer hier das Sagen hat, und zwang meine etwa 150 Gäste beim Verlassen des Schiffes, sich heftigem Regen auszusetzen.
Das ist sehr ungezogen, Petrus!

"Harmonie" aus KetzinDer Schiffsführer Axel (“Ick bin keen Käpt’n, ick bin der Schiffsführer!”) und ich sahen dabei mit Wohlwollen, daß die Herren den Damen ihre Jacken zur Verfügung stellten, um aufwendige Frisuren, schöne Schultern und wundervolle Sommerkleider zu schützen. Hoffentlich haben es auch alle Schuhe gut überstanden!

Meine Auftraggeberin schreibt:
“Haben Sie noch einmal herzlichsten Dank für die kompetente Führung auf Potsdamer Gewässer!”

Gern geschehen!

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Preußischblau

Die Farbe ist eine Eisenverbindung – Ferriferrocyanid – und wurde vom Alchimisten Johann Jacob Diesbach 1706 in Berlin entdeckt. Sie ist lichtecht, ungiftig und ein außergewöhnlich ergiebiges Pigment. Sie war ideal geeignet, das grobe Tuch der preußischen Uniformröcke zu kaschieren, während die großen französischen und österreichischen Heere im 18. Jahrhundert ungefärbtes und gebleichtes Tuch trugen und die Engländer sich eine kostspielige rote Einfärbung ihrer Uniformen leisten konnten.

Während der Besetzung Preußens durch Napoleon wurde Königin Luise wegen einiger ins Haar gesteckter Kornblumen von zwei französischen Generälen gerügt: Diese Blumen seien ja preußisch-blau und damit eine unerlaubte patriotische Demonstration.

Die Königin antwortete: “Seit Ihre Armee unsere Kornfelder zertrampelt haben, meine Herren, gehören die Kornblumen zu den seltenen Kostbarkeiten in Preußen!”

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Ein Wasserrohrbruch wäre nicht nötig gewesen

Während unseres Spaziergangs durch die Potsdamer Innenstadt baten meine Gäste heute, kurz einen Blick in die katholische Kirche St. Peter und Paul werfen zu dürfen. Ja, natürlich!

Als wir nach wenigen Minuten wieder vor die Tür traten, waren der Bereich vor der Kirche sowie Gehweg und Straße schon überflutet; und es wurde immer mehr Wasser! Ein Tempelwächter mußte mit uns um die Kirche herumlaufen und an der Rückseite des Geländes eine Pforte aufschließen, damit wir trockenen Fußes weitergehen konnten.

In dem kurzen Moment, als wir in der Kirche waren, gab es einen Wasserrohrbruch auf der Straße Am Bassin (sic!). Der Asphalt der Fahrbahn wölbte sich nach oben, als würde ein Wal auftauchen… Das erste Polizeiauto war schon vor Ort, und auch ein Auto der Wasserversorgung. Meine Gäste fanden das alles sehr aufregend und machten Fotos, meinten aber auch, es wäre doch nicht nötig gewesen, soviel Aufwand zu betreiben – die Stadtführung wäre auch ohne Rohrbruch spannend genug…

Angesichts des vielen Sandes, der von den Wassermassen herausgespült wurde, dachte ich noch, man sollte vielleicht zuerst die parkenden Autos aus der Zone herausholen -

als ich nach dem Ende der Stadtführung wieder am Ort des Geschehens vorbeikam, um mein Fahrrad zu holen, war es geschehen: ein Auto war zur Seite gekippt und in die unterspülte Straße eingesunken.

In diesem Moment traf ich eine frühere Stadtführerschülerin von mir, die mit einer kleinen Gruppe an der Absperrung stand und die Szene betrachtete. Ich begrüßte meine Kollegin und ihre Gäste und wir beide lachten: Hier wird einem etwas geboten! Und dann erzählte meine Kollegin, was ihr von meinem Unterricht besonders in Erinnerung geblieben war: Ich hätte immer gesagt, das Wichtigste sei, niemals zu langweilen!

Und ihre Gäste meinten, soviel Aufwand wäre doch nun aber nicht nötig gewesen…

PS vom 15.6.:
Das hätte alles noch viel schlimmer kommen können!

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Mit Friedrich II. an Manchester denken

“Wer da glaubt, einen Feind im Kriege durch Schonung andern Sinnes zu machen, der irrt; nur Siege bringen ihn zum Frieden.”

(Quelle)

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Mit Aspen in Potsdam

Gestern und heute bin ich mit Leuten unterwegs gewesen, die an einem Austauschprogramm zwischen dem amerikanischen Kongreß und dem deutschen Bundestag teilnehmen – und zwar auf Einladung des Aspen Institutes Berlin.

Dies wurde in dem RBB-Beitrag, der gestern abend auf “Brandenburg Aktuell” lief, leider vergessen zu erwähnen. (Hier ist der Link, ungefähr eine Woche lang sollte er funktionieren.)

Und ja, ich war zuständig für die “klassischen Touri-Momente” (Zitat aus dem Beitrag!): Gestern spazierten wir durch den Park Sanssouci; und heute hatten wir Gelegenheit, gemeinsam über die Glienicker Brücke zu gehen, nachdem wir in Neubabelsberg die Häuser abgefahren hatten, in denen die “großen Drei” während der Potsdamer Konferenz 1945 untergebracht waren.

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Niemals langweilen!

Bei meiner heutigen Führung waren drei jungen Leute dabei – zwei aus der Schweiz, eine aus Deutschland, zwischen 14 und 16 Jahren alt. Ihre Eltern hatten sich die Route ausgesucht und sie mußten mit; aus Rücksicht auf sie hatten wir das erwartbar Langweilige auf anderthalb Stunden begrenzt. Wir liefen vom Schloß Cecilienhof durch den Neuen Garten bis in die “Verbotene Stadt” und zur Gedenkstätte Leistikowstraße.

Und siehe da – es war gar nicht so schlimm, nein, es wäre gar nicht langweilig gewesen! Nicht so langweilig wie der Geschichtsunterricht.

Das habe ich schon so oft gehört, und nicht nur von Jugendlichen, sondern auch von Erwachsenen. Ich muß großes Glück gehabt haben, denn ich hatte eine wunderbare Geschichtslehrerin. Und das war in den achtziger Jahren in der DDR! Sie erzählte Geschichte mit Geschichten, und sie versuchte so oft wie möglich, einen Bezug zu Potsdam und zu unserer Zeit herzustellen. Dabei war sie so wenig ideologisch wie möglich, was besonders in diesem Fach nicht einfach war, wenn man eigentlich die Lehrpläne eines autoritären Staates zu berücksichtigten hatte… Sie war damals schon in fortgeschrittenem Alter, recht nah an der Rente – vielleicht hat sie das mutiger und souverän gemacht.

Ich bin ihr bis heute dankbar, denn ich habe niemals eine Abneigung gegen Geschichte entwickelt. Es ist, wie bei vielen Dingen, eine Frage, wie es präsentiert wird. Und da halte ich es ganz mit einem Grundsatz, der höchstwahrscheinlich nicht in Deutschland entwickelt wurde: Niemals langweilen!

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