Ein Potsdamer Briefwechsel

Verehrte Dame,
ich erhielt soeben eine Einladung zum Sommerfest der MAZ am 7. August auf Schloss Lindstedt. Möchten Sie mich begleiten? Es wäre mir eine Freude!
Immer der Ihre
(Unterschrift)

Verehrtester!
Mit Bedauern sehe ich mich gezwungen, Ihrer Einladung eine Absage zu erteilen – ich weile am 7. August noch in meiner Sommerfrische in Weimar.
Werden Sie sich nun eine andere Dame suchen?
Untröstlich die Ihre,
Susanne

Einzige!
Welch zuckenden Schmerz Ihre Absage in meinem Herzen verursacht hat, können Sie sich wohl denken. Gleichwohl weiß ich darum, wie wichtig der Hof in Weimar zum unbedingten Erhalt Ihrer robusten seelischen und geistigen Gesundheit beiträgt. Mit Schaudern verfolgen wir die Depeschen über die schwankende Gesundheit unseres moribunden Landesvaters und können einem Rustizieren in frischer Weimarer Luft nur Beifall zollen!
Gleichwohl, verehrteste Dame, werden sie es mir wohl nicht übel nehmen, wenn ich nicht allein die Kutsche nach Schloss Lindstedt besteigen möchte. In Rücksicht auf Sie werde ich mich jedoch dort nicht mit einem anderen Weibsbild zeigen, wer sollte auch – billigen – Ersatz bieten?
Ich werde daher Bruder Martin um seine Begleitung bitten, der, wie Sie wissen, noch in solvente Kreise eingeführt werden muss, um sein Auskommen zu sichern.
Ich verbleibe somit als Ihr getreuer Freund und Berater
(Unterschrift)

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